lyrx Resterampe

  • Ich hatte anderswo bereits gefragt, wie ihr mit euren Büchern verfahrt, wenn die Rechte an euch zurück gefallen sind bzw. die Vermarktung durch den Verlag nicht mehr gegeben ist.


    Besteht denn grundsätzlich Interesse von jemand, solche Rechte an Dritte zu verkaufen?


    Das ist keine direktes Kaufangebot, eher zunächst der Versuch, auszuloten, ob hier ein Markt vorhanden wäre.

  • Man verkauft Rechte nicht, man überträgt sie für eine gewisse Zeit.


    Und selbstverständlich hat jede Autorin und jeder Autor Interesse daran, seine Projekte zweit-, dritt- oder viert zu verwerten.

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Sagen des Mittelalters

    ASIN/ISBN: 3955402630


    Der Leser oder Zuhörer von Serien ist ein Getriebener, ein Hase aus freien Stücken.


    Heinrich Steinfest (*1961)

    Süddeutsche Zeitung Nr. 92 – 18./19. April .2019

  • Literaturagenten "vermitteln". Das scheint mir die richtige Vorgehensweise zu sein. Wer geht das Risiko ein, etwas zu kaufen, was er dann nicht weitergeben kann?

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    ASIN/ISBN: 3955402630


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    Heinrich Steinfest (*1961)

    Süddeutsche Zeitung Nr. 92 – 18./19. April .2019

  • Wer geht das Risiko ein, etwas zu kaufen, was er dann nicht weitergeben kann?

    Jemand, der denkt, dass er im Erfolgsfall einen Profit realisieren kann? ;)


    Es gibt durchaus derlei. Antiquariate arbeiten so. ;) Ich habe aber auch mit Hörbuchproduktionsfirmen Kontakt, die darüber nachdenken, Rechte anzukaufen, ohne einen Verwerter für die dann fertigen Hörbücher zu haben - sie hoffen darauf, für die Produktionen dann schon jemanden zu finden. Ich habe auch mal Digitalrechte irgendwohin verkauft, wo es um eine Art E-Book-Flatrate ging, das war noch vor anderen Angeboten dieser Art, und auch diese Bude hat die Rechte gekauft, bevor sie Kunden für das Produkt hatte, das daraus entstehen sollte. Im Übrigen funktioniert auch das Filmgeschäft ein bisschen so. Man kauft Stoffe oder optioniert sie, und erst dann schaut man, ob man Verwerter im Bereich Fernsehen, Streaming oder Kino findet, die das umsetzen wollen. Und so weiter. Ganz so exotisch ist der Gedanke also nicht.

  • Im Übrigen funktioniert auch das Filmgeschäft ein bisschen so.

    Leo Kirch zum Beispiel. Lebt zwar nicht mehr, war in dem Bereich aber sehr erfolgreich.


    Die Rechte an Deiner Verfilmung hast Du wahrscheinlich auch nie gehabt. Wahrscheinlich gibt es noch Fernsehrechte, und wenn er mal wieder im Fernsehen gezeigt werden sollte, kriegst Du Tantiemen. Wer verwaltet das? VG-Wort?

  • Die Rechte an Deiner Verfilmung hast Du wahrscheinlich auch nie gehabt.

    Nein. Warum auch? Ich habe sie ja nicht hergestellt. Ich habe nur die Buchvorlage geliefert, und an der hatte ich selbst höchstpersönlich die Film-/Verfilmungsrechte, bis ich diese an die Produktionsfirma veräußert habe (übrigens erst genau am Tag des Drehbeginns, obwohl schon länger am Film gearbeitet wurde - vorher war's nur eine Option). Wäre es ein Kinofilm geworden, hätte es eine Vereinbarung zu weiteren Verwertungsrechten gegeben (Fernsehen, Streaming usw., außerdem Boni abhängig von der Zuschauerzahl), aber da es dann ein Fernsehfilm geworden ist und ein pauschaler Rechtekauf stattgefunden hat, gibt es auch keine Tantiemen für Wiederholungen oder ähnliches. Das ist auch bei solchen Konstellationen unüblich. Hätte ich als Berater mitgewirkt oder gar das Drehbuch mitgeschrieben, sähe das anders aus. Produktion, Schauspieler und sonstige direkt Beteiligte erhalten aber - je nach Vertrag - pro Wiederholung was. Und diese Vergütungsvereinbarungen regelt auch keine Instanz wie GEMA und VG Wort, das dealen Verwerter und Produktionsfirmen und Beauftragte zwischen einander aus, so, wie die Verlage mit den Autoren und Agenten regelmäßig die Tantiemen abrechnen. Dafür braucht's keinen Dritten, weil es auch nur direkt um diese Verwertungen geht. Bei Film ist das nur ein bisschen aufwendiger, weil sehr viel mehr Leute beteiligt sind.

  • gibt es auch keine Tantiemen für Wiederholungen oder ähnliches. Das ist auch bei solchen Konstellationen unüblich.

    Du bist sicher, dass Du nicht über den Tisch gezogen worden bist seinerzeit! Ich kann das nicht beurteilen. Ich finde es nur hochspannend, zu erfahren, wie das alles in Wirklichkeit abläuft ...

  • Ja, ich bin sicher, und meine Agentur ist es auch. :) Es gibt unterschiedliche Modelle, darunter so etwas wie Earn-Out und ähnliche (man nähert sich einer Maximalsumme mit dem Erfolg an), aber wenn man Filmrechte an einem veröffentlichten Buch vertickt und sonst nicht weiter mit dem Projekt zu tun hat, dann ist es nicht unüblich, dass mit der Pauschale alles abgegolten ist. Wenn Filmstoffe auf Basis von Exposés eingekauft werden, verhält es sich ganz ähnlich. Bei einem Fernsehfilm ist von vornerherein klar, dass es ungefähr ein Dutzend Wiederholungen in den ersten zehn Jahren geben wird, also kann man das gegenrechnen. Hätte es noch eine Streaming-Verwertung gegeben, was bei Fernsehen gelegentlich auch passiert, hätten wir nachverhandeln müssen.

  • Zuerst sind die Rechte für einige Jahre beim Erstverlag.

    Dann die Rechte zu kaufen, um sie neu zu verlegen ergibt nur begrenzt Sinn.

    Ist es erfolgreich, wird der Weg eher ins SP führen.

    Ist es ein Flop verdienst du nichts dran.

    Allenfalls die Mittel des Übersetzen und Hörbuch, falls noch nicht geschehen, erfolg versprechen

  • Bei Tom habe ich gesehen, dass er auch über autorenwelt.de angeboten wird. Diesen Leuten geht es offenbar um faire Bedingungen, insbesondere für Autoren. Daneben verzichten sie jedoch bewusst auf Marketing. Wie zufrieden seid ihr mit diesem Angebot? Hat das aus eurer Sicht Zukunft? Ist der Ansatz richtig?

  • Bei Autorenwelt.de bzw. dem Autorenwelt-Buchshop aus dem Hause Uschtrin werden eigentlich alle Bücher angeboten, die über libri lieferbar sind. Aber wenn sich die Autoren - wie ich - zugleich auch noch dort registriert haben, erhalten sie 7% des Nettoladenpreises pro Buch ausgezahlt. Wenn sie nicht registriert sind, gehen diese 7% ans "Netzwerk Autorenrechte" und damit tatsächlich auch indirekt an uns (also den 42erAutoren e. V.), denn wir sind Mitglied des Netzwerks. Im vergangenen Jahr wurde auf der Leipziger Buchmesse ein Scheck über € 3.000,-- aus dieser Quelle an das Netzwerk überreicht.


    Ich habe all meine Buchlinks auf meiner Website entsprechend umgestellt, aber ich habe seither noch kein Geld vom Autorenwelt-Buchshop bekommen, allerdings ist seitdem auch kein neues Buch von mir erschienen, und die letzte Auszahlung aus dem Amazon-Affiliate-Programm, das da vorher verlinkt war, war auch irgendwie aus dem Frühjahr 2019 oder so ("Sie haben das Auszahlungsminimum nicht erreicht, wir werden die 0,05 € jedoch Ihrem Konto gutschreiben"). Dennoch werde ich das lassen, und ich bestelle Bücher, die ich nicht zur Abholung in der Buchhandlung bestellen will, ausschließlich dort. Wenn ich Büchergutscheine verschenke, dann ebenfalls nur solche.

  • Ich habe all meine Buchlinks auf meiner Website entsprechend umgestellt, aber ich habe seither noch kein Geld vom Autorenwelt-Buchshop bekommen, allerdings ist seitdem auch kein neues Buch von mir erschienen, und die letzte Auszahlung aus dem Amazon-Affiliate-Programm, das da vorher verlinkt war, war auch irgendwie aus dem Frühjahr 2019 oder

    Ich hab mal kurzzeitig ein paar Artikel auf Medium in Englisch veröffentlicht. Da kamen sofort ein paar Euros, und die haben sogar dann noch ausgezahlt, wenn es nur ein Cent war. Das ist aber eben leider nur Englisch, und nicht für Bücher, sondern nur für Artikel. Sowas würde ich mir für den deutschen Raum wünschen, und für eBooks würde ich etwas Analoges auch für sinnvoll halten.


    Wenn ich das also lese, denke ich: Autorenwelt mag rechtschaffen und aller Ehren wert sein, ja, aber was hilft das, wenn so wenig Umsatz damit gemacht wird?