• Wenn Melville seinem Mobydick ein erläuterndes langes Vorwort über Walfang vorangestellt hätte, wäre das Buch vermutlich nicht von so vielen Leuten gelesen worden.

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Wanderungen für Senioren - Mainfranken

    ASIN/ISBN: 3862466876


    Man darf eine schöne Geschichte nie ganz zu Ende erzählen.


    Hans Dieter Schmidt (1930 - 2005)

    aus: Melusine und schwarze Wasser, Wertheim, 1980)

  • Es gibt in vielen Lebensbereichen Literatur und sonstige Unterhaltung, die auf erschütternde Weise Klischees und Halbwahrheiten transportiert, und die damit erfolgreich ist. That's fucking life. Menschen lieben Vereinfachungen. Aber viele Hexen und Zauberer finden sich bei J. K. Rowling so ganz und gar nicht wieder; Zauberschulen wie Hogwarts gibt's nämlich in Wirklichkeit kaum. Die meisten sind ganz anders. Und Elfen leben überall viel freier.


    Das ist nicht ganz ungefährlich, wenn man dahergeht und als Schriftsteller erklärt: Seht, ich schreibe hier über dieses und jenes Thema, und da gibt es die oder den, der oder die das auch schon (leider sehr erfolgreich) gemacht hat und ich mache das jetzt viel besser, angemessener, achtsamer und korrekter, wenn auch - wahrscheinlich - weniger erfolgreich.

    Ich würde das allgemeiner halten, im Sinne von "Es gibt da draußen eine Menge Klischees, Vereinfachungen und Gerüchte über BDSM, zuweilen auch in gängiger Unterhaltungsliteratur. Das Buch, das Sie zu lesen im Begriff sind, will das anders machen." Und so weiter. Oder willst Du, dass Leute, denen Fifftiescheijds gefallen hat, Dein Buch nicht lesen? Jeder Marketingmensch wird Dir erklären, dass es eine schlechte Idee ist, einen Teil der Zielgruppe vor den Kopf zu stoßen. ;)

  • Würde dir allgemein recht geben, aber bei 50 SoG war es wohl eher die Neugierde über eine fremde Welt und weniger Gefallen der Erfolgsgarant.

    Auch sage ich ja nicht die Geschichte ist sch....e, sondern nur, dass sie an der Realität vorbeigeht.


    Dein Alternativvorschlag ist nicht schlecht

  • Wenn Melville seinem Mobydick ein erläuterndes langes Vorwort über Walfang vorangestellt hätte, wäre das Buch vermutlich nicht von so vielen Leuten gelesen worden.

    Melvilles "erläuterndes Vorwort" besteht recht besehen aus 16 Seiten Zitaten aus Wörterbüchern, Forschungsliteratur, Romanen, Goethes Gesprächen mit Eckermann etc., dann folgen 132 enzyklopädieartige Kapitel über die Sozialgeschichte des Walfangs. Erst auf den letzten nicht mal 30 Seiten (von insgesamt 913 ) geht es richtig mit der Jagd auf den weißen Wal los. Mit anderen Worten: Selbst Romane, die fast nur aus Einleitung bestehen, werden - aus welchen Gründen auch immer - "von so vielen Leuten" gelesen. :)

    ASIN/ISBN: 395494104X


    "... wat mi wedder insetten kunn in de Welt, dat was de Leiw'..."
    (Fritz Reuter: Ut mine Festungstid (Olle Kamellen II) (1861)


    Erzählen heißt: "auf dem hohen Meer den Versuch zu wiederholen, das Leben mit einem Fingerhut ausschöpfen zu wollen!"
    (Wilhelm Raabe: Stopfkuchen. Eine See- und Mordgeschichte. 1891)

  • … Mit anderen Worten: Selbst Romane, die fast nur aus Einleitung bestehen, werden - aus welchen Gründen auch immer - "von so vielen Leuten" gelesen. :)

    Ja, das wundert mich auch manchmal. Der fast hundert Seiten lange Prolog von G. Haefs Hannibal hat mich sowas von genervt - und doch hat der Autor damit einen Bestseller gelandet.


    Zu Melvilles Zitatensammlung: Die sind, so gesehen, kein erklärendes Vorwort sondern etwas, was man schnell überblättert und tatsächlich wird dieser Teil gerne auch fortgelassen. Von den vier Ausgaben, bei denen ich das (online und offline) schnell überprüft habe, hat exakt eine diesen unsäglichen Vorspann. Hätte Melville hier im Forum angefragt, ob das so gut ist, hätten ihm garantiert die hier schon vorstellig gewordenen Kritiker gesagt, das gehört als Glossar nach hinten ins Buch. :-)

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    Hans Dieter Schmidt (1930 - 2005)

    aus: Melusine und schwarze Wasser, Wertheim, 1980)

  • Wortkunde und Aus dem Schrifttum haben ihre Bedeutung und können nicht einfach verschoben werden, das wäre auch ein ungehöriger Eingriff in ein Kunstwerk. Okay, der Leser kann natürlich machen, was er will.

    ASIN/ISBN: 395494104X


    "... wat mi wedder insetten kunn in de Welt, dat was de Leiw'..."
    (Fritz Reuter: Ut mine Festungstid (Olle Kamellen II) (1861)


    Erzählen heißt: "auf dem hohen Meer den Versuch zu wiederholen, das Leben mit einem Fingerhut ausschöpfen zu wollen!"
    (Wilhelm Raabe: Stopfkuchen. Eine See- und Mordgeschichte. 1891)

  • Wortkunde und Aus dem Schrifttum haben ihre Bedeutung und können nicht einfach verschoben werden, das wäre auch ein ungehöriger Eingriff in ein Kunstwerk. Okay, der Leser kann natürlich machen, was er will.

    Es wurde häufiger gemacht, als manche(r) das wahrhaben will und es wird immer noch gemacht.


    Und mal ganz provokativ gefragt: Wie weit darf Lektorat gehen? Da wird manchmal schon im Vorfeld der Veröffentlichung in ein Kunstwerk "eingegriffen".

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    Man darf eine schöne Geschichte nie ganz zu Ende erzählen.


    Hans Dieter Schmidt (1930 - 2005)

    aus: Melusine und schwarze Wasser, Wertheim, 1980)

  • Ich bekenne mich, ein ganz böser Vorwort-Überspringer zu sein. Wenn ich einen Roman lese, dann will mein Gehirn in die Welt der Geschichte des Buches aufgesogen werden und nicht durch ein sachliches oder belehrendes Vorwort. Es sollte zudem die Aufgabe der Geschichte sein, mir durch die Sicht der Protagonisten das Bild zu vermitteln, dass die Message rüberbringt, die der Autor an seine Leser transportieren möchte. Da empfinde ich das Vorwort als hemmend oder überflüssig. Besser wäre es meiner Meinung nach, Du würdest vielleicht zwei Personen innerhalb des Buches miteinander in einem Dialog über das Thema diskutieren lassen und die Intention des Buches in eingewobener Form an den Leser transportieren. Oder aber ein Protagonist sieht in der Geschichte in einem Kino Fifty Shades und führt einen inneren Monolog darüber.

  • Ich bin ja ein Fan des erklärenden Nachworts. Und meine Fans lieben meine Nachwörter. --u:-)

    Und manche Fans lesen die dann zuerst ;)


    Letzens habe ich einen "Renk" aus einem öffentlichen Bücherschrank gezogen. Dann habe ich mich auf die nächste Bank gesetzt und geguckt, was hinten steht. Das interessanteste war, das dort viele Ausrufezeichen und Anstreichungen mit Bleistift zu finden sind. Der oder die Erstleser/in hat das Buch sonst unbeschädigt gelassen, aber diese Bleistiftorgie hinten im Nachwort war wohl wichtig.

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    Man darf eine schöne Geschichte nie ganz zu Ende erzählen.


    Hans Dieter Schmidt (1930 - 2005)

    aus: Melusine und schwarze Wasser, Wertheim, 1980)

  • Mr. Seven, dein selbstgefälliges, unreflektiertes Geschwurbel kommt hier in fragwürdiges Fahrwasser. Eine Debatte zu sexuellem Missbrauch (eh schon eine seltsame Bezeichnung) ist kein Beitrag zu diesem Thema hier.


    Joachim, ich glaube, es handelt sich um eine Sie.

    Und sie zeigt mit dem Post, welche Klischees sich um das Thema BDSM ranken.

    Vorurteile durch Falsch und Nichtwissen.

    Vielleicht wird jetzt verständlich,warum ich auch aufklären möchte.

    Ich gestehe noch nie einen Swingerclub besucht zu haben und die Debatte im Bundestag hatte ca. 1 Stunde Verspätung. Für den Debattentitel im Bundestag bin ich zudem nicht verantwortlich und selbst wenn ich eine Frau wäre (was ich nicht bin) ist es doch typisierend für den Autor, die Unterscheidbarkeit des echten Lebens, auf sexuelle Typisierungen reduzieren zu wollen.... Anyway was die Literatur so alles beabsichtigt... wir reden hier von Mensch zu Mensch...

  • Was hat jetzt ein Swingerclub mit BDSM zu tun?


    Ich empfehle ein Zitat von Dieter Nuhr, welches darfst du dir selber heraussuchen

    Oh mamamia, mir ging es um ein Aktualitätsupdate, im wahrsten Sinn des Wortes Date, im Sinne vom Datum, ich lebe nicht mehr in Zeiten Hermann Melville's. Und ich glaube dass just dies auch niemand anderes der Vorredner tut, allein schon durch die Tatsache von Swingerclub's sich einiges deiner Vorworte wie von Zauberkraft erledigt. Dass war aber kein persönlich gemeinter Einwand.... du kannst dich freilich auch zu entsprechenden Parkplatzorgien einfinden.... auch daran gibt es überhaupt kein Geheimnis... Und einen Dieter Nuhr kenne ich überhaupt nicht

  • Ich empfehle ein Zitat von Dieter Nuhr, welches darfst du dir selber heraussuchen

    Die Empfehlung wurde schon mehrfach ausgesprochen. 8) Du kannst allerdings genauso gut versuchen, mit einem Buddelschippchen das Mittelmeer leerzuschöpfen. O'stelbe ist komplett merkbefreit.