Eine Kurzgeschichte beginnen

  • Moin! :)


    Wie ich bei meiner Vorstellung im Vestibül bereits erwähnte, beschäftige ich mich zur Zeit intensiver mit Kurzgeschichten. Ich würde dazu gerne von den Kurzgeschichtlern unter euch wissen: Wie startet ihr?


    Ich weiß, dass es jeder anders macht, aber habt ihr eine Methode, die euch am ehesten zum gewünschten Endresultat führt? Die ihr empfehlen könnt?


    Ich habe eine Liste mit gesellschaftlichen Themen, die ich gerne einmal in einer Kurzgeschichte aufgreifen würde. Manchmal entsteht dann eine Figur dazu, manchmal auch mehrere. Dann mache ich eine Skizze mit den Personen, überlege mir, was denen im Laufe der KG passiert, ich entwickle noch ein Symbol und so entsteht Stück für Stück ein Stück.

    Aber ich habe mich auch schonmal hingesetzt und einfach drauf losgeschrieben. Das hat durchaus funktioniert.


    Jetzt frage ich mich: Soll ich nun darauf warten, dass mich wieder eines Tages eine KG übermannt/überfraut, und ich fröhlich vertieft den Plot in meinem Kopf niederschreiben kann?

    Oder setze ich mich besser jedes Mal hin und skizziere das? Mit der Gefahr, dass ich mich verrenne, stecken bleibe und einer gemeingefährlichen Blockade zum Opfer falle?


    Freue mich auf eure Erfahrungsberichte und Tipps! :)

  • Guten Morgen Isabel, schaue einfach in den 42er Blog. Dort findest Du schnell auf Deine Frage, wie Du eine KG anfangen kannst. Unterschiedlich, ist schon klar. Im Blog finden sich Kurzgeschichten, die kurz und knapp und schnell auf den Punkt kommen. Kreative Feiertage wünsche ich Dir

  • Man kann Kurzgeschichten selbstverständlich planen wie eine längere Erzählung oder einen Roman. Aber das muss nicht sein. Was man wissen muss ist a) woraufhin die Geschichte zielt und b) das es tatsächlich kurz erzählt sein soll. Dann kann man allen überflüssigen Schnickschnack weglassen und loslegen. Oder anders gesagt: Gut überlegt muss das zwar schon sein, aber eine ausführliche Personenbeschreibung und Handlungsplanung braucht man nicht. Wenn der Plot klar ist - also das Ziel der Geschichte -, dann muss man nur noch festlegen, welches Merkmal (oder wenigen Merkmale) bei der Geschichte für die Person(en) eine Rolle spielen.


    Nachtrag: Es wird im 42er Blog demnächst (vermutlich ab Mai) eine Artikel-Serie zur "Deutschen Kurzgeschichte seit 1945 bis heute" von mir geben.

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Sagen und Legenden aus Baden

    ASIN/ISBN: 3955403823


    Wir haben sogar Bücher zuzm Totlachen aufzuweisen, von denen ich wünschte, dass die Verfasser die erste Probe an sich gemacht hätten!.
    Carl Julius Weber

    aus: Demokritos


  • Moin Isabel!


    Ich denke, beide Möglichkeiten funktionieren. Ich mag immer noch die gute alte VHS-Schreibseminar-Methode: Setze 2 Personen auf die Eisenbahn: junger Mann, schwul/ältere Frau, Alt-68erin, und bring die Begriffe Birne, Aldi und Henkelmann in der KG unter - o.ä. Komischerweise wird da meist irgendwas Nettes draus, und manchmal kann man es sogar vorlesen, ohne rot zu werden. Manchmal sogar irgendwo einreichen. Bei komplexeren Handlungen, oder wenn ich wirklich eine bestimmte Geschichte erzählen will, habe ich aber bessere Erfahrungen mit dem Planen gemacht. Diese Geschichten brauchen auch viel mehr Zeit und Sorgfalt.


    Grüßle von Kristin (off topic: aus der Nähe von Kiel, du hast im anderen Fred danach gefragt. :blume Sonst gibt es hier aber nicht viele Schleswig-HolsteinerInnen - also, keine zur Zeit aktiven)

  • Moin Isabel,


    bei mir sind es meist zwei verschiedene Herangehensweisen.

    A) Ein Satz geistert mir durch den Kopf, der mir "zuflüstert" - "Ich bin der perfekte Anfang einer Kurzgeschichte" und dann setze ich mich hin und spüre diese Geschichte auf.

    B) Ein Thema lässt mir keine Ruhe und ich versuche es in eine Kurzgeschichte zu packen.


    A ist bei mir oft die schönere Form ")"


    Aber es kommt ja auch immer auf die Art der Kurzgeschichte an. Will ich den Leser am Ende völlig überraschen, oder erzähle ich ganz ruhig eine Geschichte.

    Da ist es halt wie beim Kochen... es gibt so viele unterschiedliche Gerichte und jedes hat sein eigenes Rezept. ;)

  • Ich hab in gaaanz frühen Jahren mal auf dem Amiga in Basic programmiert. Nächtelang hab ich dagesessen und in diesen epileptisch flimmernden, gefühlt briefmarkengroßen 25-Hertz-Monitor gestarrt und versucht meine Ideen auf der Maschine umzusetzen. Also immer: Idee -> In die Maschine stanzen -> gucken, was der Interpreter macht -> gucken, ob es funktioniert ->verrückt werden ->grübeln, wie es besser geht -> In die Maschine stanzen -> gucken ...


    Ungefähr so schreibe ich die meisten meiner Kurzgeschichten. Ich hab ne Idee, stürze mich rein, schreib drauf los, schustere bisschen rum und scheitere so lange von Satz zu Satz, bis was rauskommt, das sich rund anfühlt. Ist eine sehr mühsame Art, klar, aber auf dem Reißbrett planen kann ich nicht. :achsel


    Ach ja: Kein einziges meiner Programme auf dem Amiga ist je fertig geworden. Ich hab immer eine schöne Oberfläche in tollen Farben mit Mausbedienung hinbekommen, aber drin steckte praktisch nix :auslach

  • Ach ja: Kein einziges meiner Programme auf dem Amiga ist je fertig geworden. Ich hab immer eine schöne Oberfläche in tollen Farben mit Mausbedienung hinbekommen, aber drin steckte praktisch nix :auslach

    von Böll gibt es eine geniale Kurzgeschichte mit dem Titel "Dr. Murkes gesammelte Schweigen", handelt von jemanden beim Radio, der aus Bandaufzeichnungen immer die Pausen rausschnitt und anschließend diese Pausen zusammensetzte. Deine Programmierarbeit liest sich, als stecke da eine Böll-verwandte-Kurzgeschichte drin. Müsste nur mal eben aufgeschrieben werden. Meinetwegen auch ohne Plan. ;)

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    Carl Julius Weber

    aus: Demokritos


  • Ich habe 1987 mit Programmierversuchen in GWBasic an einem 8086er angefangen. Das ist wohl auch der Grund, warum ich erheblich besser programmieren kann, als Kurzgeschichten zu schreiben. :high

  • Nachtrag: Es wird im 42er Blog demnächst (vermutlich ab Mai) eine Artikel-Serie zur "Deutschen Kurzgeschichte seit 1945 bis heute" von mir geben.

    oh klasse, darauf freue ich mich schon!



    Setze 2 Personen auf die Eisenbahn: junger Mann, schwul/ältere Frau, Alt-68erin, und bring die Begriffe Birne, Aldi und Henkelmann in der KG unter

    Witzige Idee! Danke für den Tipp und viele Grüße nach Kiel, ich bin auf der Ecke Neumünster ;)

    Da ist es halt wie beim Kochen... es gibt so viele unterschiedliche Gerichte und jedes hat sein eigenes Rezept.

    schöner Vergleich! Und ja, mit dem A) und B) ist es bei mir sehr ähnlich. Du hast es schön auf den Punkt gebracht!

    Erstaunlich finde ich, dass ich ca. 80% meiner Ideen irgendwann wieder verwerfe und nur 20% werden letztlich wirklich zu einer Kurzgeschichte. Da frage ich mich, was ich bei diesen 20% mache, dass es dann auch zu einem vorzeigbaren Ende kommt und warum es mit den anderen 80% nicht klappt. Ist das normal oder fehlt mir da dann der Ehrgeiz? :/


  • Erstaunlich finde ich, dass ich ca. 80% meiner Ideen irgendwann wieder verwerfe und nur 20% werden letztlich wirklich zu einer Kurzgeschichte. Da frage ich mich, was ich bei diesen 20% mache, dass es dann auch zu einem vorzeigbaren Ende kommt und warum es mit den anderen 80% nicht klappt. Ist das normal oder fehlt mir da dann der Ehrgeiz? :/

    Ich notiere mir meine Ideen zunächst nicht. Vieles geht wieder verloren. Ich meine, das sind solche Ideen, die sich für mich aufzuschreiben nicht lohnen. Wenn sich eine Idee hält und festsetzt, dann ist das für mich ein Zeichen, mit dem Schreiben zu beginnen. Über die anderen mache ich mir keine Gedanken. Da habe ich nichts falsch gemacht. Ich glaube sogar, dass sich kaum 10 % der Ideen halten.


    Manchmal taucht eine "verworfene" und zunächst vergessene Idee wieder auf, dann beginne ich ebenfalls mti dem Schreiben.

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    Wir haben sogar Bücher zuzm Totlachen aufzuweisen, von denen ich wünschte, dass die Verfasser die erste Probe an sich gemacht hätten!.
    Carl Julius Weber

    aus: Demokritos


  • Bei mir beginnt es mit einer Idee - für ein Ende, für ein Stückchen Handlung, manchmal nur für einen Titel - und einer Figur. Was danach geschieht, entzieht sich überwiegend (> 85%) meiner bewussten Kontrolle. Bei Kurzgeschichten, wohlgemerkt, also beim literarischen Sprint bzw. Kurzstreckenlauf. An Marathons - also Romane - gehe ich etwas anders heran. Da sind andere Kräfte und Fähigkeiten gefordert. Was nicht heißt, dass Kurzgeschichten weniger anspruchsvoll wären.

  • An einen Roman habe ich mich noch nicht heran gewagt, würde es jedoch auch mit einer Skizze und reichlich Vorarbeit tun. Danke für deinen Beitrag!


    Irre finde ich, dass ich nach diesem Thread hier gerade mal meiner Intuition gefolgt bin und einen Satz aufgeschrieben habe, der ein guter Anfang für eine Kurzgeschichte sein könnte. Und siehe da, es folgte eine Kurzgeschichte, die sich wie von alleine aufs Blatt schrieb. Bilder wurden zu Worten und Worte wurden zu Bildern. Genial! Also ich muss sagen, dieses Forum gefällt mir ^^:thumbup: Vielen Dank für eure Berichte, das war sehr inspirierend!

  • Erstaunlich finde ich, dass ich ca. 80% meiner Ideen irgendwann wieder verwerfe und nur 20% werden letztlich wirklich zu einer Kurzgeschichte. Da frage ich mich, was ich bei diesen 20% mache, dass es dann auch zu einem vorzeigbaren Ende kommt und warum es mit den anderen 80% nicht klappt. Ist das normal oder fehlt mir da dann der Ehrgeiz? :/

    Das Pareto Prinzip leicht abgewandelt: 80% der Ideen sind ausgelutscht, es geht um die 20%, die übrigbleiben.

    Ich würde sogar noch weiter gehen und behaupten, dass ich rund 95% meiner Ideen wieder verwerfe. Die ersten Gedanken, die mir ins Hirn schießen, sind meisten (leider) auch die naheliegendsten. Da lohnt sich der Aufwand, ein wenig länger zu brüten. Oft genug aber kommen mir die besten Ideen nicht beim Schreiben, sondern bei anderen Tätigkeiten

    Prinzipiell sehe ich auch nicht so viele Unterschiede zu einem Roman. Manche Ideen/Gedanken taugen eben nur für ein kurze Geschichte, für einen Roman braucht man eben viele, die kohärent zusammenhängen. Ich sammle solche Ideen/Gedankensplitter, manchmal sogar komplette Dialoge/Szenen mit Platzhalternamen, in einer Textdatei. (Zumindest, wenn ich ahne wohin die Reise ungefähr gehen soll). Die Methode ist auch nicht neu, aber ich finde, sie hat sich bewährt.


    Irgendwelche "Kreativmethoden" setze ich nicht ein. Das hat für mich zu viel von einem VHS- Kurs von: Legen sie ein paar Knoten um den Stoff und tauchen sie es in Farbe, Sehen sie? Schon haben sie ein wunderschönes, selbst gebatiktes T-Shirt.


    Bei erneuter Durchsicht meiner alten Ideen lösche ich auch viel, da habe ich keine Hemmungen. Da stelle ich mir immer die Frage: Wer, außer dir, würde das lesen wollen?

  • Mir fällt es schwer eine Geschichte, ob kurz oder lang , zu planen. Ich habe eine Idee und die entwickelt sich bei mir immer während ich schreibe. Die besten Einfälle bekomme ich bei langen Texten bei der Recherche.

    Allerdings muss ich dann später oft noch einiges anpassen oder umschreiben, da sich die Geschichte manchmal ganz anders entwickelt, als ich es mir während der ersten Kapitel gedachte habe.

  • Das Pareto Prinzip leicht abgewandelt: 80% der Ideen sind ausgelutscht, es geht um die 20%, die übrigbleiben.

    "ausgelutscht" beschreibt es sehr gut.

    Legen sie ein paar Knoten um den Stoff und tauchen sie es in Farbe, Sehen sie? Schon haben sie ein wunderschönes, selbst gebatiktes T-Shirt.

    :rofl


    Dann lass Dich mal fix für den BT(Besprechungstext) freischalten und stelle mal die KG rein. Danach gibt es reichlich Tipps von uns.

    Ich denke die plötzliche Eingebung von heute ist zu frisch, um sie direkt ins BT zu stellen, ich will euch nicht mit meinen ersten Gehversuchen nerven und schreibe meistens sowieso noch ca. 6-12 Monate daran herum, bis ich den Text für vorzeigbar halte oder eben entscheide ihn zu verwerfen. Aber ich habe fürs BT bereits eine Kurzgeschichte eingereicht, an der ich seit einiger Zeit feile und die noch keinen Leser hatte.

  • Ich habe 1987 mit Programmierversuchen in GWBasic an einem 8086er angefangen. Das ist wohl auch der Grund, warum ich erheblich besser programmieren kann, als Kurzgeschichten zu schreiben. :high

    Jetzt erst gesehen, Christian: Ich glaube, deine jetzigen Programme sind auch eher mit Romanen vergleichbar :)


    Ich wollte ja mal C++ lernen, hab auch artig mein "hello world" - Anfängertextchen in den Borland-Compiler (hieß das Ding so?) gehackt, bin aber dann bei den Zeigern und dem Scheiß hängen geblieben. Wahrscheinlich schreibe ich überhaupt nur, weil's für's Programmieren nicht gereicht hat, denn deutsch hab ich halt schon früh und richtick Gelernd haben, wa? ;)