Tom Liehr: Die Wahrheit über Metting

  • Hi Tom,


    wie gut, dass wir hier in einem "Meet the Author"-Thread sind. ;-) Da kann man den Autor ja auch nach seinem Nähkästchen fragen. :-)


    Hier also der neue Liehr - und er heißt "Die Wahrheit über Metting". Die vorherigen Romane hießen kürzer und geraffter:


    - Radio Nights

    - Idiotentest

    - Stellungswechsel

    - Geisterfahrer

    - Pauschaltourist

    - Sommerhit

    - Leichtmatrosen

    - Nachttankstelle

    - Landeier


    Was verrät uns der längere Titel des neuen Romans? Verrät er überhaupt irgendetwas? War er eine reine Entscheidung des Verlags? Kündigt der neue Liehr an, dass sein Schöpfer weg will von Schlagwörtern?


    Sorry, ich blödele nur ein bisschen. Mir fiel einfach auf, dass der neue Titel für Deine Verhältnisse ganz schön lang ist. Aus Gründen? :-)

    Es gibt drei Regeln, wie man einen Roman schreibt. Unglücklicherweise weiß niemand, wie sie lauten. (William Somerset Maugham)

  • Ja, das ist anderen auch schon aufgefallen. Bei "Stellungswechsel" war's ein Zufall, weil der Titel ja vom Film kam, aber von "Radio Nights" abgesehen, das auf deutsch immerhin "Radionächte" hieße, sind es immer zusammengesetzte Hauptwörter. Es hätte sich auch für Metting so etwas finden lassen, aber dann bin ich auf die Idee mit diesem Titel gekommen, der so ganz und gar überhaupt nichts aussagt, und der höchstens Vermutungen nahelegt, die alle falsch sein müssen, weil der Titel eben nichts aussagt. Ist Metting eine Person, ein Ort, eine Tätigkeit, ein Zustand? Und was ist die Wahrheit darüber? Ich finde das echt cool, und ich freue mich wie ein Schnitzel, dass der Verlag das mitgemacht hat, und noch dazu verbunden mit diesem wirklich schönen Cover. Es war allerdings auch ein steiniger Weg. Ich habe erst diesen Text konzipiert und dann noch zwei weitere Projekte vorgelegt, und nach langem Hin und Her ist es dann doch - glücklicherweise - dieser geworden.


    Die kurzen Titel waren immer leicht amüsant konnotiert, auch bei eigentlich schwereren Inhalten, etwa bei "Sommerhit" oder "Nachttankstelle". Kurz = bedeutungsarm, leicht, Lustigbuch, tiefgangfrei. Ich bekomme viel Post von Leuten, die überrascht sind, weil die Texte zwar durchaus amüsieren, aber auch was mit den Lesern machen. Und ich meine, dass dieser Irrtum etwas mit der Titelei zu tun hat, auf Dauer. Die Zeit der eher lustigen Jungsbücher ist sowieso vorbei, aber in diese Kategorie fielen ja sowieso nur "Idiotentest", "Pauschaltourist" und vielleicht noch "Leichtmatrosen".


    Es ist ein Experiment, auf das ich mich sehr freue. Metting wird ziemlich sicher mein bislang ungewöhnlichstes Buch von mir selbst. 8)

  • Dein neuer Titel erinnert mich ein bisschen an die Titel der Romane von Fredrik Backman: "Britt-Marie war hier" oder "Kleine Stadt der großen Träume" (das allerdings im Original viel schlichter "Stadt der Bären" heißt).


    Du und Herr Backmann schreibt zwar völlig anders, aber wenn man bei Deinem neuen Titel ein ganz kleines Bisschen an ihn denkt, wär's ja nicht der schlechteste Autor, an den man denken könnte.

  • So. Nach der c-bedingten Verschiebung ist es am 13. Oktober endlich so weit. Das Hörbuch erscheint gleichzeitig bei Audible. Und bei Lovelybooks startet dann auch eine Leserunde, zu der es auch ein paar Freiexemplare gibt: https://www.lovelybooks.de/autor/Tom-Liehr/Die-Wahrheit-über-Metting-2376656132-w/leserunde/2683205043/2683205048/#thread

  • Nee, Groth hat „Leichtmatrosen“ gesprochen, das ist sechs Jahre her. „Metting“ spricht ein Martin Bross. Trotzdem danke! :) Ich habe noch nie so lange auf einen eigenen Roman gewartet, und ich mache zwei Dutzend Kreuze in den Kalender, wenn das Scheißbuch endlich draußen ist. :evil

  • Nee, Groth hat „Leichtmatrosen“ gesprochen, das ist sechs Jahre her. „Metting“ spricht ein Martin Bross.

    Auch gut. :)


    Du hattest geschrieben, dass es wegen Corona verschoben wurde, aber nachdem ich den Thread hier gelesen habe, war der Abstand zum letzten veröffentlichten Buch ja dennoch schon größer. Hat das dann mit den langen Vorausplanungen seitens der Verlage zu tun? Ich habe schon in anderen Foren gelesen, dass sich manche Autoren riesig darüber gefreut haben, dass endlich ein Verlag zusagt, dann aber noch 1,5 bis 2 Jahre auf die Veröffentlichung warten mussten. 8|

  • Kiana: „Landeier“war 2016, Ja, das hat jetzt etwas länger gedauert. Es gab einiges an Hin und Her, aber meine ursprüngliche Idee hat sich am Ende durchgesetzt. Ich hoffe, der nächste kommt wieder schneller.


    Edit: Um das etwas zu spezifizieren. Die ersten Entwürfe zu "Die Wahrheit über Metting" hatte ich schon im Jahr 2017 vorgelegt, allerdings noch mit einem etwas anderen Plot. Ein Kapitel aus dem damaligen Entwurf mit dem Titel "Eine erfundene Kindheit" war auch Besprechungstext hier bei den 42ern. In dieser Variante sollte es noch um einen Schriftsteller gehen, der sich sein eigenes Leben quasi im Nachhinein schöndichtet; der Text sollte sich sehr autobiografisch anfühlen, ohne das wirklich zu sein. Das gefiel Agentur und Verlag vor allem inhaltlich nicht so sehr, weil sie meinten, Romane, in denen Schriftsteller die Hauptrolle spielen, wären tendentiell Rohrkrepierer. Wir haben dann stattdessen eine Reihe anderer Ideen ausprobiert, und ich habe mehrere Exposés und Leseproben verfasst, aber ich fand das Setting von Metting <hüstel> so stark, dass mich das nicht losgelassen hat. Also habe ich irgendwann den Plot umgedreht, den Schriftsteller gekillt und die Thematik gewechselt. Und, siehe da, plötzlich wollten alle. Das war im Dezember 2018. Zu diesem Zeitpunkt waren die Herbst-/Winterprogramme für 2019 schon durchgeplant, wir sprachen also über Frühjahr 2020. Ich war mit dem Manuskript im November 2019 fertig und habe danach die intensivste und heftigste Überarbeitungsphase meiner Laufbahn absolviert, in Rekordzeit. Und dann kam das große, böse C. Der stationäre Buchhandel ging in den Lockdown, und Amazon hat keine Bücher mehr nachbestellt, weil Klopapier höhere Margen hat. Der Verlag wollte "Metting" um ein Jahr verschieben, also ins Frühjahr 2021 - das haben nicht wenige Verlage so gemacht, und eine erkleckliche Anzahl fertiggeschriebener und gesetzter Romane ist sogar ganz abgesagt worden. Aber ich wäre dann fünf Jahre vom letzten Roman entfernt gewesen, also haben wir uns auf Herbst 2020 geeinigt. Der wird ziemlich eng werden, weil jede Menge Neuerscheinungen aus dem Frühjahr in den Herbst gewandert sind. Ich werde in diesem Jahr vermutlich auch auf meine legendäre Buchpremiere in meiner Stammkneipe verzichten. Aber ich bin mit dem nächsten Text schon so weit, dass es jetzt endlich mal passieren muss. Und es ist übrigens ein sehr schönes Buch geworden, wie ich finde. Etwas eigenartig und möglicherweise auch etwas untypisch, aber schön. Ich bin gespannt, was die Leser dazu sagen.

  • Und, siehe da, plötzlich wollten alle. Das war im Dezember 2018. Zu diesem Zeitpunkt waren die Herbst-/Winterprogramme für 2019 schon durchgeplant, wir sprachen also über Frühjahr 2020. [...] Und dann kam das große, böse C. Der stationäre Buchhandel ging in den Lockdown, und Amazon hat keine Bücher mehr nachbestellt, weil Klopapier höhere Margen hat. Der Verlag wollte "Metting" um ein Jahr verschieben, also ins Frühjahr 2021 - das haben nicht wenige Verlage so gemacht, und eine erkleckliche Anzahl fertiggeschriebener und gesetzter Romane ist sogar ganz abgesagt worden.

    Uff, da hieß es dann also Geduld bewahren. Gut, dass es dann jetzt immerhin der September wird. Der Herbst ist doch sowieso eine schöne Lesezeit. :)

    Ich hätte aber gedacht, dass der Lockdown im Herbst sich auf die Buchbranche eher positiv ausgewirkt hat. Durch Kurzarbeit und weniger Freizeitmöglichkeiten habe ich zumindest deutlich mehr gelesen, als sonst im Frühjahr.

    Aber ja, Klopapier war natürlich heiß begehrt. Da kommen Bücher, die man nur lesen kann, nicht gegen an. ;)