Der Schriftsteller Uwe Tellkamp ist ein AfD-Sympathisant

  • Fakt ist für mich, dass eine nachhaltige Hilfe nur die Selbsthilfe vor Ort sein kann.
    Fakt ist für mich auch, dass ein Sozialsystem nur funktioniert, wenn das Nehmen und Geben ausgewogen bleibt. Das kann ich doof finden (finde ich auch), aber so ist es leider.


    Das sind in dieser Form auch Parolen, zumal dieses "Fakt ist für mich" eine kaschierte Meinung ist. Meinungen können keine Fakten sein. Wenn schon "in einem Literaturforum" auf Sprache angesprochen wird, dann bitte nicht die eigenen Formulierungen ausnehmen.

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Sagen und Legenden aus Baden

    ASIN/ISBN: 3955403823


    Wir haben sogar Bücher zuzm Totlachen aufzuweisen, von denen ich wünschte, dass die Verfasser die erste Probe an sich gemacht hätten!.
    Carl Julius Weber

    aus: Demokritos


  • Zitat


    Das sind in dieser Form auch Parolen, zumal dieses "Fakt ist für mich" eine kaschierte Meinung ist.


    Wieso kaschiert? Für mich, heißt für mich und nicht für alle. Fakten/Wirklichkeiten/Wahrnehmungen variieren von Individuum zu Individuum obwohl sie sind wie sie sind.


    Zitat


    Meinungen können keine Fakten sein.


    Aber sicher doch. Warum denn nicht? Sie müssen aber keine Fakten sein.


    Zitat


    Wenn schon "in einem Literaturforum" auf Sprache angesprochen wird, dann bitte nicht die eigenen Formulierungen ausnehmen.


    Aha. Jeder wie er kann.

  • Mir geht es in dem Fall vor allem um Sichtbarkeit. Nicht so sehr ob ich da jedes Wort für richtig halte. Ich gehe da anders heran. Wenn ich auf einer Demonstration bin, dann auch nicht, weil ich da jedes Spruchband oder jeden Redebeitrag genau so teile, sondern weil ich mich zeigen will. Es gibt Menschen, die das in etwa so und so und eben anders sehen. Sonst könnte ich niemals auf eine Demonstration gehen. Wenn Attac mit dem DGB mit der anarchistischen Pogopartei und den radikalen Tierschützern GEGEN oder FÜR etwas demonstrieren.
    Und gerade dieser intellektuelle, akademische Anspruch der Erklärung 2018 (es durften ja keine "einfachen Normalos" unterschreiben) verlangte für mich persönlich nach so einer Sichtbarmachung. Es gibt halt Menschen, die das anders sehen als ihr Schlaumeier, die sich von Masseneinwanderung in die Sozialsysteme, also von einem unterstellten Schmarotzertum bedroht fühlen oder das halt nicht wollen, weil sie denken, sie haben auf irgendwas im Leben ein Recht.
    Ich glaube, ich habe auf gar nichts ein Recht, und dass die Armen dieser Welt mir nicht die Bude einrennen, ist ein bloßer Glücks- oder Zufall , und ich kann so vielleicht noch eine Weile gut leben und in der Zeit vielleicht nicht das größte Arschloch deutschlandweit sein, sondern nur ein mittelmäßiges.


  • Ich glaube, ich habe auf gar nichts ein Recht, und dass die Armen dieser Welt mir nicht die Bude einrennen, ist ein bloßer Glücks- oder Zufall , und ich kann so vielleicht noch eine Weile gut leben und in der Zeit vielleicht nicht das größte Arschloch deutschlandweit sein, sondern nur ein mittelmäßiges.


    :like
    Menschen haben Schutzrechte, die ihnen der Staat etc. gewähren muss. Diese Schutzrechte gelten als Menschenrechte natürlich global: Jeder Mensch hat sie ab der Geburt. Insofern wir Menschen außerhalb unserer nationalen Grenzen diesen Schutz nicht gewähren, machen wir uns der Menschenrechtsverletzung mitschuldig. Um dann nur noch ein mittelmäßiges Arschloch zu sein, müsste man sich schon sehr anstrengen.
    Mit dieser Auffassung wird übrigens kein ethischer Superlativ vertreten, sondern die Norm "unserer" Realpolitik (der Merkelschen oder genauer: der Vereinten Nationen). Völkerrechtlich heißt das Schutzverantwortung. Wer gegen diese Norm Sturm läuft (AfD etc), will weg von der Verrechtlichung der internationalen Beziehungen hin zum Nationalstaatsegoismus des beginnenden 20. Jahrhunderts, also schnurstracks zurück ins Zeitalter des Imperialismus vor dem Ersten Weltkrieg.

  • Die Schutzverantwortung umfasst doch nicht eine Wohlstandsnivellierung. Da geht es um Bedrohung von Leib und Leben, Hungerkatastrophen, Kriegsflucht bis hin zu Haftbedingungen.
    Wenn ihr keine ach so dollen Arschlöcher sein wollt, dann spendet doch euer Einkommen bis zum Niveau des internationalen Mindeststandards, wo ist das Problem?

  • Also ich spende jedenfalls regelmäßig.
    Außerdem gehe ich seit etwa 10 Jahren mit Spaten und Hacke in den Wald und forste eine Kiefernmonokultur zum Mischwald auf :sonne
    Das ergibt schon mal ein paar Credit-Points!


  • Wieso kaschiert? Für mich, heißt für mich und nicht für alle. Fakten/Wirklichkeiten/Wahrnehmungen variieren von Individuum zu Individuum obwohl sie sind wie sie sind.



    Aber sicher doch. Warum denn nicht? Sie müssen aber keine Fakten sein.



    Aha. Jeder wie er kann.


    Meinungen sind niemals Fakten. Wenn eine Meinung zufällig mit Fakten übereinstimmt, so ändert das nichts daran, dass es eine subjektive Meinung ist. Das Darstellen von Fakten hat jedenfalls mit Meinungen nichts zu tun. Dies miteinander zu vermischen passt nicht zu einer offenen Diskussion, genausowenig wie andere Meinungen gleich abzuwerten, wie du das hier jetzt schon mehrfach gemacht hast.

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    Carl Julius Weber

    aus: Demokritos


  • Ich schlage vor, sich erstmal überlegen, was es überhaupt heißt, ein Recht auf etwas zu haben, bevor staatliche und moralische Rechte munter durcheinander geworfen werden.


    "Ich glaube, ich habe auf gar nichts ein Recht" (Zitat Heike).
    Doch, wir haben eine ganze Menge Rechte. Zum Beispiel ein Recht auf mein Haus oder meine Wohnung. Das ist im Grundbuch eingetragen, oder beruht auf einem Mietvertrag. Wir ein Recht auf eine bestimmten Lohn, oder auf Tantiemen oder womit auch immer wir unser Geld verdienen. Das ist in Arbeitsverträgen, Verlagsverträgen usw. festgelegt. die Reihe kann beliebig verlängert werden. Letztendlich führen alle diese "Rechte" auf eine Rechtsordnung zurück, die in einer Unmenge von Gesetzen niederlegt ist.
    Auf einer metaphysischen Ebene hat der Satz schon einen Sinn. Denn "an sich" hat niemand ein Recht auf etwas. So etwas nennt man traditionell einen Naturzustand, den Kampf aller gegen alle. So wie er zeitgemäß mit wohligem Grusel in Serien wie "Walking Dead" ausgemalt wird. Alles Recht ist Menschenwerk. Und dass Rechtsordnungen kollabieren können und Gesellschaften in die Anarchie eines Naturzustandes zurückfallen können, dafür gibt es genügend Beispiele. Eine Rechtsordnung ist etwas sehr Fragiles. Bei allen Mängeln, die das Recht in der Praxis hat, ist es etwas sehr Wertvolles. Das ist das Recht, das innerhalb von Staaten gilt.


    "Diese Schutzrechte gelten als Menschenrechte natürlich global ... Insofern wir Menschen außerhalb unserer nationalen Grenzen diesen Schutz nicht gewähren, machen wir uns der Menschenrechtsverletzung mitschuldig." (Zitat Jürgen)
    Wie "haben" wir Menschenrechte? In Deutschland gelten manche Grundrechte zugleich als Menschenrechte. Innerhalb Europas gibt es eine verbindliche Menschenrechtskonvention, deren Rechte ich einklagen kann. Aber das sind jetzt wieder gesetzte Rechte. Die eigentliche Stoßrichtung von Menschenrechten geht gegen Staaten, die sie eben nicht gewähren. Menschenrechte sind damit im Grunde moralische Rechte, die moderne Form eines Naturrechts, Ausdruck des Gedankens, dass bestimmte Staatsordnungen oder Verhältnisse nicht "gerecht" sind. Egal wie oft man Menschenrechte anruft, es gibt kein global anerkanntes Konzept von Menschenrechten. Menschenrechte sind ein Leitbild, an dem sich eine tatsächliche Gesetzgebung orientieren sollte. Man sollte aber mit dem Begriff "Menschenrecht" auch nicht zu inflationär umgehen.
    Wenn ich Jürgens Satz ernst nehme, dann heißt das, ich müsste mich gegen jede Menschenrechtsverletzung auf der ganzen Welt einsetzen, sonst werde ich schuldig. Ernsthaft jetzt? Schuldig? Das toppt sogar die Erbsündentheorie von Augustinus. Ich werde also jeden Tag, jede Minute und jede Sekunde vieltausendfach schuldig, weil ich mich nicht dauernd engagiere. Das Irre an diesem Konzept ist ja, dass es nie einholbar ist. Die Wiederkehr von christlichem Sündenschwulst in unserem zeitgenössischen Migrationsdiskurs ist ein bemerkenswertes Phänomen.
    Damit sage ich nicht, vergiss die Menschenrechte. Die Idee von Menschenrechten ist eine Grundlage unserer Zivilisation, das Menschenrecht ist die Geburt des Rechts aus der Gewalt. Der Einsatz für Menschenrechte soll Antrieb unserer Politik bleiben, weil es zu unserem Selbstverständnis gehört. Ich halte es nur einen Irrweg, diesen Diskurs mit den Kategorien von Schuld und Sühne zu führen.

  • Europa hat Jahrhunderte lang genommen ohne etwas zu geben und jetzt davon zu sprechen, dass die, die etwas brauchen, auch etwas geben sollen, klingt schon irgendwie komisch.


    Wenn du darauf hinweisen willst, dass unsere gegenwärtigen Handelsbeziehungen mit afrikanischen Ländern nicht immer ganz fair verlaufen, dann stimme ich dir zu. Da liegt vieles im Argen und schon im eigenen Interesse sollten "wir", also Europa daran interessiert sein, dass mehr afrikanische Länder sich entwickeln können. In Asien hat es ja auch funktioniert, obwohl dort die Ausgangsbasis nach dem Ende des Kolonialismus vielfach ungünstiger war.


    Wenn du allerdings darauf abzielst, "wir", also auch du und ich, wären aus geschichtlichen Gründen schuld, dann widerspreche ich dir. Das ist eine Art tribalistische Sippenhaft. Weil unsere Urur-Großväter Afrika ausgebeutet haben, deshalb müssten jetzt "wir" Buße tun. Es ist auch interessant, dass du hier auf Europa ausweichst, eingedenk der Tatsache, dass deutsches Unwesen in Afrika ja ziemlich begrenzt war. Wenn wir in dieser Logik bleiben wären vor allem die Briten und Franzosen gefragt und natürlich die Belgier. Das kann es ja wohl nicht sein. Natürlich braucht Afrika immer noch Unterstützung, vielleicht eine andere, als unsere Entwicklungshilfe, die ja trotz aller Milliarden kaum was gebracht hat, vielleicht auch was anderes alles manche NGO-Selbstfindungsveranstaltungen. Das sagen übrigens auch viele Afrikaner.


    Sind "wir" etwa auch an der Korruption afrikanischer Eliten und vor allem an einem unbegrenzten Bevölkerungswachstum, dass jede wirtschaftliche Entwicklung sofort wieder auffrisst, schuld?
    Vielleicht ist das ja sogar eine neue, ganz subtile Form von Kolonialismus. Die armen Afrikaner sind für nichts verantwortlich. Wir müssen alles richten.


  • Wenn du darauf hinweisen willst, dass unsere gegenwärtigen Handelsbeziehungen mit afrikanischen Ländern nicht immer ganz fair verlaufen, dann stimme ich dir zu. Da liegt vieles im Argen und schon im eigenen Interesse sollten "wir", also Europa daran interessiert sein, dass mehr afrikanische Länder sich entwickeln können. In Asien hat es ja auch funktioniert, obwohl dort die Ausgangsbasis nach dem Ende des Kolonialismus vielfach ungünstiger war.


    Das meine ich selbstverständlich auch.


    Zitat


    Wenn du allerdings darauf abzielst, "wir", also auch du und ich, wären aus geschichtlichen Gründen schuld, dann widerspreche ich dir. Das ist eine Art tribalistische Sippenhaft. Weil unsere Urur-Großväter Afrika ausgebeutet haben, deshalb müssten jetzt "wir" Buße tun. Es ist auch interessant, dass du hier auf Europa ausweichst, eingedenk der Tatsache, dass deutsches Unwesen in Afrika ja ziemlich begrenzt war. Wenn wir in dieser Logik bleiben wären vor allem die Briten und Franzosen gefragt und natürlich die Belgier. Das kann es ja wohl nicht sein. Natürlich braucht Afrika immer noch Unterstützung, vielleicht eine andere, als unsere Entwicklungshilfe, die ja trotz aller Milliarden kaum was gebracht hat, vielleicht auch was anderes alles manche NGO-Selbstfindungsveranstaltungen. Das sagen übrigens auch viele Afrikaner.


    Es geht nicht um Sippenhaft. So etwas meine ich nicht. Europa (u.a.) hat die Länder, in denen es Probleme gibt ausgebeutet und unser Wohlstand, von dem wir - auch du und ich - noch profitieren, resultiert u.a. aus dieser Ausbeutung. Aber, was noch wichtiger ist, die Probleme in diesen Ländern resultieren aus dem Verhalten, dass europäische Länder dort gezeigt haben. Deutschland war in Afrika aktiv, aber auch in Asien. Ich erinnere an den Boxeraufstand in Peking und an Kaiser Wilehlms Hunnenrede. Großbritannien, die Niederlande, Belgien, Frankreich und Italien haben sich weitaus mehr zu Schulde kommen lassen. Frankreich hat auch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einer Destabilisierung in Nordafrika beigetragen. Aber was heißt das schon, hier ist, denke ich, Europa insgesamt noch in der Pflicht. Die skandinavischen Länder, Polen, Ungarn, die anderen Balkanstaaten und auch Griechenland sind da außen vor, da sie keine Kolonien besessen haben. Griechenland selbst war ja lange von den Türken besetzt und nach der erfolgreichen "Befreiung" haben dann die damaligen Großmächte dafür gesorgt, dass nicht zu viel Selbstständigkeit in diesem Land einkehrt und dafür sogar einen "deutschen" König eingesetzt. All dies ist zu berücksichtigen, nicht in Form von "Sippenhaft" der einzelnen - also von dir und mir beispielsweise - sondern als Gesamtschuld der Gesellschaften in Mitteleuropa.


    Zitat


    Sind "wir" etwa auch an der Korruption afrikanischer Eliten und vor allem an einem unbegrenzten Bevölkerungswachstum, dass jede wirtschaftliche Entwicklung sofort wieder auffrisst, schuld?
    Vielleicht ist das ja sogar eine neue, ganz subtile Form von Kolonialismus. Die armen Afrikaner sind für nichts verantwortlich. Wir müssen alles richten.


    Ja, doch, eine Mit-Verantwortung der europäischen Gesellschaften ist da auch vorhanden, aus der Vergangenheit heraus und auch aus der Gegenwart. Deine polemische Abgrenzung teile ich nicht, zumal du selbst in deinem ersten Absatz auf Probleme der "nicht ganz fairen" Handelsbeziehung hinweist.

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    Wir haben sogar Bücher zuzm Totlachen aufzuweisen, von denen ich wünschte, dass die Verfasser die erste Probe an sich gemacht hätten!.
    Carl Julius Weber

    aus: Demokritos


  • Selbstbeschmutzung ist Nationalsport in Deutschland. Ich dachte immer, das wäre erst seit 1945 so, aber offenbar war das vor 150 Jahren auch nicht anders.

    Zitat

    „Wenn den Deutschen noch so großes Unrecht angetan wird, findet sich
    doch immer ein obskurer deutscher Professor, der so lange an der
    Objektivität herumbastelt, bis er bewiesen hat, daß die Deutschen
    Unrecht getan haben.“ — Baronin de Stael (1766-1817), “De l’Allemagne”

  • Vor 1945 nannte man es "Nestbeschmutzung", und gemeint war jegliche kritische Auseinandersetzung mit deuscher Politik, mit der deutschen Rolle im ersten Weltkrieg und natürlich mit dem Natonalsozialismus.
    Ich empfinde es im Gegenteil überhaupt nicht als beschmutzend, sich mit der Geschichte seines Landes und mit der aktuellen Verantwortung Deutschlands und Europas in der Flüchtlingsfrage und bei der Ursachenbekämpfung kritisch zu beschäftigen. Nachdenklichkeit ist für mich eine gute Tugend und allemal besser als ein Stolz darauf, innerhalb gewisser Grenzen geboren worden zu sein.


    Ich bin viel gereist, und ich habe selbst persönliches Unglück erlebt, das hat meine Haltung insgesamt sehr verändert bzgl. dessen, was wir im Westen denken, dass uns zusteht. Ein glückliches Leben, die große Liebe, Wohlstand, sichere Grenzen, Menschenrechte, Eigentum... In der Türkei, in Syrien und an vielen Orten der Welt kann man gut beobachten wie fragil solche Rechte sind, wie verletzlich wir Menschen letztlich sind.


    Lusig ist auch, dass gerade die AFD immer mit dem Rechtsstaat argumentiert und selbst zahlreiche Rechtsbrecher und Vorbestrafte in den eigenen Reihen und als Unterstützer hat und außerdem ständig über das Verfassungsgericht ablästert. Das ist so offensichtich verlogen.

  • Ne, Manuela, Deutschsein ist mittlerweile Nationalsport. Zumindest für mich. Echte Gruppengymnastik, der dauernde "Seit-1945"-Spagat, Handstand mit klassischer AfD-Opferrolle, der mittelrechte zweifüßige Jammergott, weil der Neger/Araber einem erst Europa kahlfrisst und dann auch noch das Wort verbietet, echt mühsam. Aber Übung macht den Meister. Ich scheue keine Anstrengung! Du auch nicht, wie ich sehe ... :bier

  • Du täuscht dich, Joachim. 8-)
    Ich bin weder politisch organisiert, noch gehe ich auf irgendwelche Demos, noch halte ich öffentliche Brandreden. War überhaupt noch nie auf irgendeiner Demo für oder gegen irgendwas. Seinerzeit, 1984, als die Österr. Regierung den riesigen Auwald in Hainburg wegen eines geplanten Kraftwerks schleifen wollte, war ich aber mit dabei. Mit Zelt und Schlafsack bei 10 Grad minus, mehrere Tage lang, teils an die Bäume gekettet, bis uns die Bullen mitnahmen. Das war die Geburtsstunde der Grünen in Österreich und ich hatte (vorübergehend) eine politische Heimat. Heute, mittlerweile politisch heimatlos, würde ich ihnen nicht einmal eine halbe Stimme geben und bin froh, dass sie endlich aus dem Parlament geflogen sind. Mir geht es nicht um links oder rechts oder um rinks und lechts, sondern um vernünftige Politik. Und die kann ich weit und breit nirgendwo erkennen. Deshalb habe ich beschlossen, künftig nicht mehr wählen zu gehen. Wüsste auch gar nicht, bei wem ich das Kreuz machen sollte.

  • Ich möchte noch einmal auf die beiden Erklärungen zurückkommen ("Erklärung 2018" und "Antwort").


    Die erste Erklärung drückt eine Sorge aus: "Mit wachsendem Befremden beobachten wir, wie Deutschland durch die illegale Masseneinwanderung beschädigt wird. Wir solidarisieren uns mit denjenigen, die friedlich dafür demonstrieren, dass die rechtsstaatliche Ordnung an den Grenzen unseres Landes wiederhergestellt wird."


    Auf diese Sorge antwortet die "Antwort" nach meinem Empfinden gerade nicht. ("Die Menschenrechte enden an keiner Grenze dieser Welt. Wir solidarisieren uns mit allen Menschen, die vor Krieg, Verfolgung und Armut in unserem Land Zuflucht suchen, und wenden uns gegen jede Ausgrenzung.")


    Dabei ist "illegale Masseneinwanderung" ein Begriff, der für mich polemische ist. Das "illegal" ist unter Juristen umstritten. Die "Einwanderung" wird anstelle des Begriffs "Flucht" gesetzt. Eine Differenzierung zwischen Asyl und Einwanderungsrecht findet nicht statt. Wir haben ja auch kein Einwanderungsrecht in Deutschland. Daher sollte man "Masseneinwanderung" unterlassen, denn das Wort suggeriert, was Herr Tellkamp sagt: „Die meisten fliehen nicht vor Krieg und Verfolgung, sondern kommen her, um in die Sozialsysteme einzuwandern, über 95 Prozent." Und das ist falsch.


    Heute fand eine Demo in verschiedenen deutschen Städten statt, die der Deutschlandfunk in der Meldung beschreibt mit "Marsch für die Wissenschaft ' Bekämpft die Angst mit Fakten '". Zitat: "Die Demonstranten sprachen sich für eine freie Wissenschaft und gegen Populismus aus. Der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar rief in Köln dazu auf, die Angst mit Fakten zu bekämpfen. (...) In den USA richtet sich die Bewegung gegen die Rhetorik von US-Präsident Donald Trump, der die Erderwärmung mehrfach infrage gestellt hat."


    Die "Antwort" liefert keine Fakten. Sie ist nach meinem Dafürhalten eine Friede-Freude-Eierkuchen-Erklärung. Dabei böte die erste Erklärung genug Ansatz für Fakten. Sie tut so, als sei die Lösung: "dass die rechtsstaatliche Ordnung an den Grenzen unseres Landes wiederhergestellt wird". Diese Erklärung hat also einen Horizont, der bis zu "Grenzen dicht machen" reicht. (Nebenbei bemerkt, empfehle ich den Unterzeichnern, mal eine Woche die Autobahn Salzburg in Richtung München zu fahren und sich die Staus und die Grenzer mit ihren Waffen anzusehen.)


    Ich teile die Kritik gegenüber der "Antwort", die ich bei Nifl und Siegfried gelesen habe. Wenn ich bei der "Antwort" Fakten vermisse, dann heißt das nicht, das ich glaube, man könne die "Erklärung 2018" wissenschaftlich widerlegen. Die Erklärung zeigt, dass es kluge und gebildete Menschen gibt, die die Wir-schaffen-das-Politik meiner Lieblingskanzlerin (das meine ich ironiefrei) kritisieren. Ich unterstütze Merkels Haltung. Aber es ist nicht zielführend, auf die Sorge der "Erklärung 2018" mit diesem Wischiwaschi zu reagieren, meine ich.

    Es gibt drei Regeln, wie man einen Roman schreibt. Unglücklicherweise weiß niemand, wie sie lauten. (William Somerset Maugham)

  • Einen Nachtrag habe ich noch, in dem es gerade um Schriftsteller geht. Sibylle Berg beginnt ihre aktuelle Kolumne im Spiegel mit dem Satz: "Fast monatlich scheint sich wieder ein deutscher Intellektueller zur neuen Rechten zu bekennen." Ich schätze Frau Berg. Eine kluge Frau, die pointiert schreibt. Diese Kolumne gefällt mir nicht. Sie insinuiert nämlich, dass es "nationalkonservativen" (so der Lead) Intellektuellen nicht um einen Inhalt gehe. Die Vermutung:


    Zitat

    "Nach dem Ausschluss möglicher Ursachen (private Probleme mit den Nachbarn, Zugverspätungen, nur dreifach Grippeimpfung erhalten) bleiben zwei Gründe für das neu erwachte Interesse am Nationalen. Der erste ist, dass hier nicht Überzeugungen den Weg an die Öffentlichkeit suchen, sondern sich einige im vorauseilenden Gehorsam an einer angenommenen neuen Regierungsmehrheit schubbern."


    Vorauseilender Gehorsam. Man will sich also anbiedern. Wohl an die AfD. Aus Opportunismus, nicht aus Überzeugung. Starker Tobak.


    Zweite Möglichkeit:

    Zitat

    "Oder, dass die vornehmlich männlichen Menschen, meist in der zweiten Lebenshälfte befindlich, Opfer einer großen Kränkung sind. Wie fast alle künstlerisch oder intellektuell Schaffenden, hatten sie sich mehr von ihrem Leben versprochen."


    Und wieder ad personam. Die Leute sind frustriert. Die meist "männlichen Menschen".


    Jetzt mein Lieblingszitat:


    Zitat

    "Einer eigenen Logik folgend denken die gefühlt Zukurzgekommenen vielleicht, dass ein großdeutsches Reich Amerika nie gebraucht hätte. Es wäre Amerika geworden! Und sie wären nicht Männer, deren Körpergröße langsam zurückgeht, sondern Personen mit einer Reichweite wie Phillip Roth, Quentin Tarantino. Oder Susan Sonntag. Nun - die vielleicht nicht."


    (Denn die Sonntag war ja linksliberale Jüdin.)


    Diese Kolumne ist keine Auseinandersetzung, sondern Schmarrn. Ich halte sie für exemplarisch für viele öffentliche Äußerungen. Das geht in die Richtung von "Der Trump hat einen kleinen Schwanz". Man kann der Ansicht sein, es gehe vor allem Sichtbarmachung, so wie Heike. Hauptsache, man entgegnet irgendetwas auf die "neue Rechte". Dieser Ansicht bin ich nicht. Ich meine, es geht nicht um irgendeine Sichtbarkeit, sondern um eine fundierte.

    Es gibt drei Regeln, wie man einen Roman schreibt. Unglücklicherweise weiß niemand, wie sie lauten. (William Somerset Maugham)

  • Nja, ich hab noch nie so recht, wie sagt man, Zugang gefunden zu Sibylle Berg, und zumindest ihre von Dir angeführten Zitate, Alexander, lassen auch mich denken, dass eine öffentliche Verächtlichmachung die Diskussion um keinen Deut weiterbringt, sondern die Fronten (das Wort allein schon!) nur unnütz verhärtet. Eine weibliche Version von Stammtischgerede; es will vielleicht Satire sein, ist dafür aber einfach nicht lustig genug, eher eine Mischung aus lustig sein wollen und anmaßender und ungeprüfter Psychologisiererei. Sei's drum.


    Über diese Schuldfrage, die einigen hier so übel aufgestoßen ist, denke ich viel nach. Ich würde inhaltlich schon Jürgens Aussage zustimmen (und wer würde das leugnen?), dass jeder zum großen Ganzen beiträgt, als Konsument oder Nicht-Konsument, als Fleischverzehrer oder -nichtverzehrer, als Klamottenkäufer oder -verweigerer etc. Aber das Wort schuldig ist für viele natürlich ein Reizwort, und es wird zunehmend überdrüssig darauf reagiert. Was die deutsche Vergangenheit angeht, habe ich mir noch nie irgendeine Schuld einreden lassen (und habe, wenn auch alles andere als Kohl-Fan, doch bei dem berühmten Ausspruch von der Gnade der späten Geburt immer gedacht: Da sagt der Mann einmal was Gescheites, und dann schreien alle). Schuldgefühle, und gerade solche, die an einen herangetragen werden, bewirken ja eher das Gegenteil von dem, was der Herantragende will; im schlimmsten Fall bewirken sie eine Abneigung gegen die, gegenüber denen man ein schlechtes Gewissen haben soll. Das ist sehr unfruchtbar. Könnten die, die darauf so allergisch reagieren, mit dem Begriff Verantwortung mehr anfangen? Ich finde, diese beiden Begriffe werden immer so unschön vermengelt (und Horst-Dieter hat das ja auch schon fein differenziert). Mit anderen Worten: Schuldgefühle sind scheiße, wir sollten uns mit sowas nicht herumplagen - aber eine geschärfte Aufmerksamkeit gegenüber unserer Verantwortung in der Welt steht uns doch ganz gut, als Deutsche vor dem geschichtlichen Hintergrund, den wir nun mal haben und auch nicht mehr verändern können, als Europäer und meinetwegen auch als Weltbürger.


  • Über diese Schuldfrage, die einigen hier so übel aufgestoßen ist, denke ich viel nach. Ich würde inhaltlich schon Jürgens Aussage zustimmen (und wer würde das leugnen?), dass jeder zum großen Ganzen beiträgt, als Konsument oder Nicht-Konsument, als Fleischverzehrer oder -nichtverzehrer, als Klamottenkäufer oder -verweigerer etc. Aber das Wort schuldig ist für viele natürlich ein Reizwort, und es wird zunehmend überdrüssig darauf reagiert. Was die deutsche Vergangenheit angeht, habe ich mir noch nie irgendeine Schuld einreden lassen (und habe, wenn auch alles andere als Kohl-Fan, doch bei dem berühmten Ausspruch von der Gnade der späten Geburt immer gedacht: Da sagt der Mann einmal was Gescheites, und dann schreien alle). Schuldgefühle, und gerade solche, die an einen herangetragen werden, bewirken ja eher das Gegenteil von dem, was der Herantragende will; im schlimmsten Fall bewirken sie eine Abneigung gegen die, gegenüber denen man ein schlechtes Gewissen haben soll. Das ist sehr unfruchtbar. Könnten die, die darauf so allergisch reagieren, mit dem Begriff Verantwortung mehr anfangen? Ich finde, diese beiden Begriffe werden immer so unschön vermengelt (und Horst-Dieter hat das ja auch schon fein differenziert). Mit anderen Worten: Schuldgefühle sind scheiße, wir sollten uns mit sowas nicht herumplagen - aber eine geschärfte Aufmerksamkeit gegenüber unserer Verantwortung in der Welt steht uns doch ganz gut, als Deutsche vor dem geschichtlichen Hintergrund, den wir nun mal haben und auch nicht mehr verändern können, als Europäer und meinetwegen auch als Weltbürger.


    Na, wenigstens eine versteht mich. :D Da hat es sich ja doch gelohnt, den Beitrag geschrieben zu haben.

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    Horst-Dieter Radke: Sagen und Legenden aus Baden

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    Carl Julius Weber

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