Frauenquote?

  • beiträge zu wettbewerben und literaturpreisen anonym einreichen. wenn die jury entschieden hat, kommt das outing. wie beim blindflug-bt. ist nicht immer hilfreich, weil es inhaltlich oft klar ist, ob der text von einer autorin der von einem autor stammt. das ist ja aber nicht immer so deutlich. deswegen, versuch macht kluch :like

  • Und überhaupt: Quoten sind doch nur dort sinnvoll, wo es Frauen sonst erschwert wird, im Berufsleben Fuß zu fassen.


    Ich glaube, das gilt auch für den Literaturbetrieb :D
    Die Mörderischen Schwestern haben darauf mit einem Stipendium nur für Frauen reagiert, so viel ich weiß. Ich bin gegen eine Quote, aber für Preise, die speziell Frauen in der Literatur fördern, oder zumindest für einen gut dotierten Preis mit hochkarätiger Jury, damit würde das Thema mehr in die Diskussion kommen.

  • z. b. nobelpreis für literatur:
    "Seit der ersten Verleihung im Jahr 1901 an den französischen Lyriker und Philosophen Sully Prudhomme wurde der Nobelpreis für Literatur bisher (d. h. bis 2014) 111 Personen zuerkannt."
    und
    "13-mal wurden bisher Frauen ausgezeichnet: Die erste war 1909 Selma Lagerlöf, es folgten 1926 Grazia Deledda, 1928 Sigrid Undset, 1938 Pearl S. Buck, 1945 Gabriela Mistral, 1966 Nelly Sachs, 1991 Nadine Gordimer, 1993 Toni Morrison, 1996 Wisława Szymborska, 2004 Elfriede Jelinek, 2007 Doris Lessing, 2009 Herta Müller und 2013 Alice Munro."


    http://de.wikipedia.org/wiki/N…iteratur#Preistr.C3.A4ger

  • Aber, Alexandra, ist das ein Argument? Gestern bei der Diskussion war es eines: über hundert Mal sei der Preis (also unser lokaler, immerhin 15000 Euro) verliehen worden, aber nur 11 mal (Zahlen habe ich nicht genau behalten) an Frauen. Ja, vielleicht waren nicht genügend Anwärterinnen da? Wir wissen doch, dass Frauen weniger schreiben, weil sie durch ihre sonstigen Pflichten weniger Zeit haben (ich habe z.B. nachts geschrieben, wenn die Kinder mal schliefen). Und auf Deubelkommraus eine zu finden, ist doch Krampf.
    Na, ich bin gespannt, es wird jetzt eine Petition geben und die Stadtoberen werden entscheiden.

  • Intensiv diskutiert wurde das u.a. im Nachgang des letzten Deutschen Buchpreises, wobei einige (Journalistinnen, wenn ich mich richtig erinnere) diagnostiziert hatten, dass unter den Nominierten sehr viele Männer gewesen wären - zu viele nach Ansicht dieser EinigInnen. Tatsächlich haben verhältnismäßig viele Frauen den Deutschen Buchpreis gewonnen; es waren sechs Frauen und vier Männer insgesamt seit Etablierung des Preises. Interessant wäre die Frage, inwieweit das beispielsweise mit den Verkaufszahlen zeitgenössischer Literatur korreliert, aber nicht wirklich erheblich.


    Frauenquoten sind - vor allem in der Wirtschaftswelt - offenbar leider notwendig, weil der Prozess künstlich beschleunigt werden muss, da er ohne solche Instrumente zu langsam abläuft. Bei Literaturpreisen und ähnlichen Veranstaltungen wird jedoch das Produkt betrachtet und nicht die Person, also das Ergebnis der Arbeit und nicht der Arbeiter oder die Arbeiterin. Das geschieht zumeist erst anschließend, jedenfalls bei anonymisiert vergebenen Preisen und Stipendien. Es stellt sich aber vor allem die Frage, ob es die angenommene Benachteiligung überhaupt gibt; ich würde das verneinen. Die Kulturwelt ist nach meinem Dafürhalten viel vorurteilsfreier als unser restliches Dasein; vor allem hier gilt, dass sich eher die Qualität einer Arbeit durchsetzt, und zwar relativ unabhängig davon, wer sie abgeliefert hat. Ändert man das durch eine Quote, erhält man ein verzerrtes Bild, und man wertet möglicherweise schlechtere Arbeiten auf, nur weil ihre Hersteller zwecks Quotenerfüllung berücksichtigt wurden. Im Ergebnis vergibt man Preise an Leute, für die oder deren Arbeit sich das Publikum nicht interessiert.


    Fällt nach meinem Dafürhalten in den Bereich "Übertreibung". Außerdem müsste man sich in aller Konsequenz die Frage stellen, welche anderen Menschen aufgrund irgendwelcher Merkmale möglicherweise auch noch per Quote bevorzugt werden müssten, also beispielsweise Menschen mit Migrationshintergrund, aus sozial problematischen Umgebungen, mit Behinderungen usw. usf. Und man müsste eigentlich auch viel früher ansetzen, also z.B. für die Verlage Veröffentlichungsquote etablieren - Kandidaten für den Buchpreis werden von den Verlagen aus deren aktuellen Programmen nominiert, und wer keine oder zu wenige Frauen im Angebot hat, kann diese schlicht nicht nominieren. Am Ende hätte man dann eine Art Kulturtechnokratie, deren Ergebnisse in den Regalen verschimmeln.


    Eine Seifenblasendiskussion.

  • im moment haben wir die männerquote, d. h. männer werden bei gleicher, häufig sogar schlechterer qualifikation für den angebotenen job, bevorzugt eingestellt. ein skandal, der unter den teppich gekehrt wurde.

  • Ja. Aber trifft das denn auch auf die Literatur zu? Das glaube ich nicht. Das hieße ja, dass auch dort in irgendwelchen Jurys, vornehmlich aus Männern, ein Konsens dazu bestehen müsste, dass Frauen schlechter schreiben als Männer.


    Oder jemand stellt fest, dass Frauen aufgrund ihrer familiären Situation gar nicht erst dazu kommen, sich fürs Schreiben in gleicher Weise wie die Männer zu qualifizieren und dass ihnen deshalb als ... ja, was eigentlich ... Ausgleich ... ein Preis zustehe.


    Auf ein früheres Rollenbild mag das ja noch gepasst haben, aber für heute würde ich das nicht mehr gelten lassen. Und ehrlich, Alexandra, Du willst auch keinen "Frauenpreis" bekommen, sondern einen für Deinen Text.


    Ich glaube, für die Literatur ist diese Quote ziemlich überflüssig. Sie mag, wie Tom schreibt, in der Wirtschaft ihren Sinn haben, aber nicht in der Kultur. Bei aller noch immer fehlenden Gleichstellung in unserer Gesellschaft, aber fürs Schreiben finde ich so einen Preis absolut idiotisch.

  • Auf ein früheres Rollenbild mag das ja noch gepasst haben, aber für heute würde ich das nicht mehr gelten lassen. Und ehrlich, Alexandra, Du willst auch keinen "Frauenpreis" bekommen, sondern einen für Deinen Text.


    das frühere rollenbild ist heute immer noch aktuell.


    ich nehme jeden preis an :evil da bin ich komplett uneitel ")"


  • Ich glaube, für die Literatur ist diese Quote ziemlich überflüssig. Sie mag, wie Tom schreibt, in der Wirtschaft ihren Sinn haben, aber nicht in der Kultur. Bei aller noch immer fehlenden Gleichstellung in unserer Gesellschaft, aber fürs Schreiben finde ich so einen Preis absolut idiotisch.


    männer verleihen literaturpreise, die frauen dann lesen.

  • männer verleihen literaturpreise, die frauen dann lesen.


    Bei der Jury des deutschen Buchpreises gibt es einen Frauenüberhang.


    Im Komitee für die Verleihung des Nobelpreises für Literatur sind derzeit zwei Frauen.

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Dunkle Geschichten aus Würzburg

    ASIN/ISBN: 3831333580


    Wir haben sogar Bücher zuzm Totlachen aufzuweisen, von denen ich wünschte, dass die Verfasser die erste Probe an sich gemacht hätten!.
    Carl Julius Weber

    aus: Demokritos


  • Das frühere Rollenbild ist heute vielleicht sogar wieder aktueller, als es einmal war. Da gebe ich Dir ja recht.


    Aber für die Literatur sehe ich das anders. Da gibt's meiner Ansicht nach keine Männerlobby, die Frauen ausschließen will :) . Und da werden auch nicht Frauen durch Kinder und Haushalt an ihrer "Karriere" gehindert. Finde ich.

  • Das frühere Rollenbild ist heute vielleicht sogar wieder aktueller, als es einmal war. Da gebe ich Dir ja recht.


    Aber für die Literatur sehe ich das anders. Da gibt's meiner Ansicht nach keine Männerlobby, die Frauen ausschließen will :) . Und da werden auch nicht Frauen durch Kinder und Haushalt an ihrer "Karriere" gehindert. Finde ich.


    Ich stimme Anja in allen Punkten zu. Subjektiv habe ich auch das Gefühl, wenn ich mich mal so durch die Verlagsseiten klicke, dass es unter den Lektoren und Programmverantwortlichen einen Frauenüberhang gibt. Wir sollten in diesem Bereich mal über eine Männerquote diskutieren ;)

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  • Toms Begriff der "Seifenblasendiskussion" ist mir noch zu zurückhaltend. Abgesehen davon, dass es weite Bereiche in der Gesellschaft gibt, in denen langsam dringend über eine Männerquote nachgedacht werden müsste (z.B. bei Erziehern und Lehrern), wenn man überhaupt dieses Strukturierungsinstrument für sinnvoll hält, ist allein der Gedanke einer solchen Quote im Bereich der Kunst, hier: der Literatur, an welcher Stelle auch immer, hochgradig lächerlich. Es ist eine Tatsache, dass seit Langem fast ausschließlich von Frauen in Agenturen und vor allem als Lektorinnen in Verlagen darüber entschieden wird, was gedruckt und verlegt wird. Das macht sogar bis zu einem gewissen Grad Sinn, sind doch um die 70 % der Buchkäufer weiblich. Und nur so ist auch manches zu erklären, was ich hier lieber unausgesprochen lasse, da ich sonst um mein Leben fürchten muss.


  • Aber für die Literatur sehe ich das anders. Da gibt's meiner Ansicht nach keine Männerlobby, die Frauen ausschließen will :)


    ich glaube, da täuschst du dich gewaltig, anja. warum sollte es im literaturkommerz andere regeln geben als überall sonst?

  • ich glaube, da täuschst du dich gewaltig, anja. warum sollte es im literaturkommerz andere regeln geben als überall sonst?


    Welche Regeln?


    Vielleicht benennst Du einmal diese »Männerlobby«, die du im Verdacht hast, Alexandra.

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