Flatrate-und Koma-Lesen für eBooks

  • Laut einem heutigen Bericht der Wirtschaftswoche will Amazon nun nach dem beliebten Flatrate - und Komasaufen selbiges auch im eBook-Bereich in Deutschland einführen.


    "Gegen einen festen monatlichen Betrag können Kunden dann beliebig
    viele E-Books ausleihen und lesen. In den USA verlangt der
    Online-Versandhändler für das Bücherabo 9,99 Dollar im Monat. Laut
    WirtschaftsWoche plant der US-Konzern Verlagen zufolge die Einführung
    von Kindle Unlimited hierzulande zur Frankfurter Buchmesse, die am 8.
    Oktober beginnt."


    http://www.wiwo.de/unternehmen…uer-e-books/10759242.html


    Für mich lag genau diese Entwicklung schon lange in der Luft. Mein Bauchgefühl trügt da nicht.


    MfG


    Walter Hilton

  • Was genau bitte ist das prinzipielle Problem bei einer Flatrate für E-Books? Die Amazon-Tochter Audible hat sie längst für Hörbucher, und darüber bin ich sehr froh. Eine angemessene Pauschale braucht Autoren nicht zu benachteiligen.

    Es gibt drei Regeln, wie man einen Roman schreibt. Unglücklicherweise weiß niemand, wie sie lauten. (William Somerset Maugham)

  • Ich finde eine Flatrate, an deren Einnahmen die Autoren beteiligt
    werden(!), jedenfalls besser, als dieses ominöse Rückgaberecht von
    E-Books bei Amazon...


    Lieber Gruß


    DianaH :blume

  • Die Frage ist nur, wer sich dann noch ein E-book kauft, wenn es um den Preis eines solchen jedes Monat so viele gibt, wie man lesen kann. Es werden ja jetzt schon mehr gestohlen als gekauft. Und dass es nicht möglich ist, dieses geliehene Exemplar zu "klonen", glaubt ja wohl niemand ernsthaft. Oder doch?
    In einer Bibliothek muss das Exemplar zurückgegeben werden. Aber im Netz? Hmm ... :kratz2

  • Zitat

    In einer Bibliothek muss das Exemplar zurückgegeben werden. Aber im Netz?


    da muss sicher neu gedacht werden, die alten gesetzte und regelungen passen und greifen nicht mehr.
    kontrolle ist sinnlos, das wird niemals funktionieren.


    bei uns in debr bibliothek gibt e auch schon ebooks zum ausleihen. sicher,- knacken kann man alles mit den nötigen werkzeugen.

  • Habe seit vielen Jahren ein Audible-Abo und sehe keinen Unterschied, abgesehen von der Kostenstruktur: Bei Audible habe ich ein Buch pro Monat frei und die anderen zu einem reduzierten Preis. Hier habe ich eine Flatrate. Ist doch eine prima Sache für Leute, die gern und viel lesen und finanziell eingeschränkt sind, und auch für die Autoren, deren Bücher eine größere Verbreitung finden. Das ist doch nichts anderes als die gute alte Bücherhalle, auch die Bücher kann man auf den Kopierer legen oder klauen. Kann die Sorgen nicht nachvollziehen, ist doch bloß ein anderes Medium.

  • Von den großen Verlagsgruppen ist noch keine einzige dabei, und ich nehme auch an, dass das mittelfristig so bleiben wird (oder welches Argument gäbe es gleich noch dafür, Bücher zu verramschen?). Interessant wäre, zu erfahren, wie das Umlageverfahren im Detail aussieht. Wenn einer seine 9,99 € (oder so) pro Monat abdrückt, aber in einem Monat nichts liest, wer bekommt dann das Geld?


    Davon abgesehen halte ich von Pauschalen fast nichts, auch (oder: erst recht), wenn man sie mit dem dummdenglischen "Flatrate" etikettiert. Bei Pauschalangeboten bezahlen diejenigen, die es wenig nutzen, den Anteil der Vielnutzer mit, aber der Anbieter gewinnt immer. Die originellste Variante hiervon gibt es seit einigen Jahren in Bordellen - endlos ficken für ein paar hundert Taler. Und Männer gehen da rein, weil sie's mal ordentlich krachen lassen wollen. Nach der ersten Nummer (mit Vorspiel und allem: acht Minuten) hängen sie dann ausgeknockt am Tresen und wünschen sich, dass ihnen die Fantasie nicht immer wieder so würdelose Streiche spielt.

  • oder welches Argument gäbe es gleich noch dafür, Bücher zu verramschen?

    Das ist die Frage, die dahinter steckt. Leider war mir zu diesem Thema nur die hilflose Artikulation meines Brechreizes eingefallen ...
    Die Wohlstandsbürger sollen in groß angelegten Kampagnen dazu gebracht werden, endlich Produkte aus wert- und nachhaltiger Herstellung zu kaufen (Schinken von glücklichen Säuen statt von massentierhaltungsgequälten armen Schweinen, oder hochpreisiges Gemüse aus wert- und nachhaltiger Produktion), auch wenn sie viel, viel teurer sind. Aber bei Kunst und Kultur läuft´s umgekehrt. Flatrates für beliebigen Zugriff auf Massenware - nun also nicht nur für den einschlägigen geistigen TV-Dünnschiss, sondern auch für sogenannte "Literatur". Mir kommt schon wieder was hoch ...

    Nach der ersten Nummer (mit Vorspiel und allem: acht Minuten) hängen sie dann ausgeknockt am Tresen und wünschen sich, dass ihnen die Fantasie nicht immer wieder so würdelose Streiche spielt.

    :rofl

  • Natürlich gibt es Argumente für die Flatrate. In der Musikbranche hoffen viele auf so ein System, um Menschen zum legalen Konsum von Kunst zurückzubringen. Aber ich glaube, für Künstler und Konsumenten wird das nicht aufgehen. Ich habe auch ständig diese Flatrates im Puff vor Augen. Oder All you can eat. Hat da irgendwer schon mal gut gegessen? Oder den Koch gewürdigt? Ich empfinde das als Entwertung, ich kann nicht anders, ich bin kein digital native. Denn der Anbieter lebt ja nun einmal definitiv davon, dass die Rechnung aufgeht. Er geht kein Risiko ein. Der Konsument auch nicht. Irgendwas Vernünftiges wird er ja wahrscheinlich finden und nutzen können, billiger als im Buchladen. Wer trägt eigentlich das Risiko? Das sind doch die Autoren, die Zeit, Herzblut und alles investiert haben. Sie sind doch die einzigen, die was zu verlieren haben. Sie tragen ihre Haut zu Markte, nicht nur in der Flatrate natürlich, aber es geht um irgendeine Verteilung des Risikos.

  • Ich finde eine Flatrate, an deren Einnahmen die Autoren beteiligt
    werden(!), jedenfalls besser, als dieses ominöse Rückgaberecht von
    E-Books bei Amazon...


    Lieber Gruß


    DianaH :blume


    Die Flatrate, an der Autoren beteiligt werden, muss erst noch erfunden werden. Das, was Autoren aus den bisher geübten Flatrate-Modellen kommt, ist der Ansicht nicht wert. Für die Verlage ist es (vielleicht) ein kleines Zubrot, für die Autoren reicht es nicht mal zum Würfelzucker für den Kaffee.

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Sagen und Legenden aus Baden

    ASIN/ISBN: 3955403823


    Im Inneren eines Menschen existiert ein Kern, der von Fragen wie Staatsbürgerschaft oder sozialer Herkunft völlig unberührt ist. Dafür sollte sich die Kunst interessieren.
    Marina Davydova

    SZ Nr. 289, 15.12.2022, S. 11


  • Und genau das ist es auch. Ich leg noch einen drauf und sage: Entwürdigung.

    Ich empfinde Fisch mit Tomatensauce als Entwürdigung (vor allem für den armen Fisch!), aber trotzdem gibt es ihn. So wie die Flatrate bei E-Books. Der Spiegel vergleicht heute Amazons Kindle Unlimited mit Skoobe und Readfy. Danach "fällt Amazon durch". Eine interessante Zusammenfassung ist das Fazit: Für wen sich die E-Book-Flatrates lohnen.

    Es gibt drei Regeln, wie man einen Roman schreibt. Unglücklicherweise weiß niemand, wie sie lauten. (William Somerset Maugham)