Warum ist Courier New eine Standardschrift für Manuskripte?

  • Keine weltbewegende Frage, nur einfach eine, die mich interessiert: Warum ist Courier New eine Standardschrift für Manuskripte und Exposes? Besonders gut lesbar ist sie ja nicht, besonders schön auch nicht. Sie hat sich auch ansonsten in keinem Bereich durchgesetzt, soweit ich weiß. Bücher, Homepages, Flyer,... Nichts davon ist in Courier New geschrieben. Warum dann Manuskripte? Hat das nur damit zu tun, dass die Buchstaben alle die gleiche Breite haben? Und wenn ja, was ist der große Vorteil von dieser Eigenschaft?

  • Sieht aus wie Schreibmaschine. Ist wohl eine Reminiszenz an das letzte Jahrtausend.

    Περὶ θεῶν λέγε, ὡς εἰσἰν. Von den Göttern sage: sie sind. (Bias von Priene)
    [buch]3939459801[/buch]

  • Nein, hat nichts mit Reminiszenz zu tun, oder fast nichts. Es ist eine Proportionalschrift, das heißt, jedes Zeichen ist gleich breit. Damit lässt sich eine Normseite (60 Zeichen 30 Zeilen) exakt umsetzen und so auch der Umfang eines Buches an Hand der Manuskriptseiten schneller berechnen. Obwohl das eigentlich heute Kokolores ist, denn man kann die Zeichen mit fast jedem Textprogramm zählen lassen und hat es dann noch genauer.

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Sagen und Legenden aus Baden

    ASIN/ISBN: 3955403823


    Wir haben sogar Bücher zuzm Totlachen aufzuweisen, von denen ich wünschte, dass die Verfasser die erste Probe an sich gemacht hätten!.
    Carl Julius Weber

    aus: Demokritos


  • Hier noch weitere Infos:


    "Die Urform der Courier wurde nach der politischen Restauration im beginnenden 19. Jahrhundert schon im Jahre 1821 von einer Münchener Freimaurerloge entwickelt und diente zur Verbreitung von logenübergreifenden Nachrichten. Grundlage war eine kleine, simpel und im Mantel leicht zu transportierende Druckmaschine. Die Freimaurer verwendeten neben einigen beweglichen Lettern auch fertig gegossene Phantasiewörter mit festgelegten Bedeutungen und Zusammenhängen in bestimmten Kombinationen mit Begriffen und Lettern. Samuel Morse, selbst Freimaurer, entwickelte im Jahre 1833 daraus das Morsealphabet und den Schreibtelegrafen.
    Die Lettern und Wortblöcke wurden in einen etwa 15 mal 23 cm großen, an heutige Regalsysteme erinnernde Holzkasten gesteckt, mit Druckerfarbe bestrichen und mittels einer Holzrolle auf Papiere gedruckt. Um die Lesbarkeit auf Grund der vergleichsweise schlechten Druckqualität zu gewährleisten, wurde die Courier (engl., "Kurier") in der noch heute weitgehend gültigen, schlichten Serifenform entwickelt."

  • Danke für eure Antworten! Sie bestätigen meinen Eindruck, dass Courier New HEUTE keinen wirklichen Vorteil mehr hat, also eher ein Relikt ist.

  • Danke für eure Antworten! Sie bestätigen meinen Eindruck, dass Courier New HEUTE keinen wirklichen Vorteil mehr hat, also eher ein Relikt ist.


    Wirf es nicht ganz weg. Manche Verlage berechnen den Umfang tatsächlich noch nach Normseiten und da wäre es kritisch, eine Nichtproportionale Schrift benutzt zu haben. Und wenn in Wettbewerben die Normseite gefordert wird, dann lieber auch mit einer Proportionalschrift arbeiten. Die Jury zählt nicht gerne Buchstaben nach.

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  • Da hast du mich falsch verstanden, Horst-Dieter. Wenn ein Verlag oder eine Ausschreibungsjury irgendwelche formalen Vorgaben macht, sollen sie haben, was immer sie wollen! Und ich würde mich auch an Courier New und die andere "üblichen" Vorgaben halten, wenn nichts explizit angegeben ist. Wegen einer Schriftart diskutiere ich doch nicht mit einem Verlag ;) Es hat mich nur einfach interessiert, weil ich mir nicht erklären konnte, wozu es so wichtig sein soll. Ich möchte nicht zur Schriftarten-Revolution aufrufen ;)

  • Nein, hat nichts mit Reminiszenz zu tun, oder fast nichts. Es ist eine Proportionalschrift, das heißt, jedes Zeichen ist gleich breit. Damit lässt sich eine Normseite (60 Zeichen 30 Zeilen) exakt umsetzen und so auch der Umfang eines Buches an Hand der Manuskriptseiten schneller berechnen. Obwohl das eigentlich heute Kokolores ist, denn man kann die Zeichen mit fast jedem Textprogramm zählen lassen und hat es dann noch genauer.


    Ist es nicht genau umgekehrt? Siehe hier.

  • Ist es nicht genau umgekehrt? Siehe hier.


    <schäm-modus-an>
    Ja, Gerald, hast recht. Da habe ich mal wieder auf die Schnelle etwas hingeschrieben ohne zu überlegen. Natürlich ist Courier New eine Nicht-proportionale Schrift!
    <schäm-modus-aus>
    Einziger Trost: Die anderen haben es auch nicht gemerkt :evil

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  • Da hast du mich falsch verstanden, Horst-Dieter. Wenn ein Verlag oder eine Ausschreibungsjury irgendwelche formalen Vorgaben macht, sollen sie haben, was immer sie wollen! Und ich würde mich auch an Courier New und die andere "üblichen" Vorgaben halten, wenn nichts explizit angegeben ist. Wegen einer Schriftart diskutiere ich doch nicht mit einem Verlag ;) Es hat mich nur einfach interessiert, weil ich mir nicht erklären konnte, wozu es so wichtig sein soll. Ich möchte nicht zur Schriftarten-Revolution aufrufen ;)


    Manchmal wird bei Ausschreibung die Normseite und die Schrift Times New Roman gefordert, was zeigt, dass diejenigen, die die Ausschreibung machen, keine Ahnung haben.

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  • Ob heute noch sinnvoll oder nicht, ich finde es schön, dass sich das eine oder andere einfach erhält. Nennt mich oldschool, macht nichts, ich hänge halt an Gewohnheiten. Genauso interessant finde ich, dass sich die Anordnung der Buchstaben bei einer Schreibmaschine bis heute erhalten hat. Die hat damals durchaus Sinn gemacht - das Risiko, dass sich die Haken ineinander verheddern, wurde dadurch minimiert. Man hätte theoretisch die Buchstaben auf Computertastaturen neu sortieren können, alphabetisch etwa. Aber das hätte den Sekretärinnen und Sekretären wenig Freude bereitet.

  • … Genauso interessant finde ich, dass sich die Anordnung der Buchstaben bei einer Schreibmaschine bis heute erhalten hat. Die hat damals durchaus Sinn gemacht - das Risiko, dass sich die Haken ineinander verheddern, wurde dadurch minimiert. Man hätte theoretisch die Buchstaben auf Computertastaturen neu sortieren können, alphabetisch etwa. Aber das hätte den Sekretärinnen und Sekretären wenig Freude bereitet.


    Es gab durchaus andere Konzepte. Hermann Hesse schrieb auf einer Schreibmaschine, die extra Tasten für Groß- und Kleinbuchstaben hatte, eine "Smith Premier No. 4". Ein Monstrum und nicht Reisetauglich. Letzten Dezember habe ich in Berlin in einem Gründerzeitmuseum eine Schreibmaschine gesehen, die ein ganz anderes System hatte. Man musste eine Nadel über einen Buchstaben führen und dann anschlagen. Interessanterweise las ich kurz danach einen Krimi von Fred Vargas, in dem diese oder eine ähnliche Schreibmaschine vorkam und keine unwesentliche Rolle spielt:
    [buch]3746615143[/buch]

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  • Und wenn in Wettbewerben die Normseite gefordert wird, dann lieber auch mit einer Proportionalschrift arbeiten. Die Jury zählt nicht gerne Buchstaben nach.


    Man reicht heute echt noch irgendwas irgendwo auf Papier ein? Ansonsten müßte man ja nicht selber zählen.

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    [buch]3939459801[/buch]


  • Man reicht heute echt noch irgendwas irgendwo auf Papier ein? Ansonsten müßte man ja nicht selber zählen.


    Zum Beispiel für den jährlichen "Putlitzer Preis" 8-)

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  • Das geht mir genauso.


    You saved my day - danke! Ich hatte schon das Gefühl, die einzige zu sein, die an dieser Schrift was Gutes findet.


    Ich nutze sie auch ausschließlich für Manuskripte. Abgesehen davon, dass ich finde, von einem Ausdruck besser Courier bei Lesungen ablesen zu können (es ist ein ruhigeres Bild, man neigt dabei nicht so dazu, zu schnell zu lesen, und mann kann vor allem auch alles lesen und verwechselt nicht bei schlechtem Licht oder Aufregung Buchstaben), ist es auch sehr hilfreich, dass man beim Korrekturlesen bei Courier wesentlich mehr Tippfehler findet.

  • Ja, die Übersicht ist bei Courier wirklich extrem gut. Überschüssige Leerzeichen sieht man sofort, auch Tippfehler fallen deutlicher ins Auge und das ruhige Schriftbild ist sehr angenehm, gerade, wenn man Stunden und Stunden an der Tippmaschine sitzt und nichts anderes im Blick hat.
    Hach, Mädelz. Wat bin ich froh, dass ich nicht allein dastehe. Kam mir schon exzentrisch vor ...