Weltbild meldet Insolvenz an

  • Gerald schrieb:



    ".. heute ist für mich ein sehr trauriger Tag. Er wird Auswirkungen auf die ganze Buchbranche haben. Viele Verlage beziehen Weltbild bei ihrer Kalkulation mit ein. Da werden künftig eine Menge Bücher nicht mehr gemacht. Und wer es nicht weiß: Weltbild ist zu 50% an Hugendubel beteiligt. Jokers ist eine WB-Tochter usw. Für die Leute, die am Montag in den Verlag gehen müssen, ist die Lage extrem beschissen... Und wie viele soeben angeleierte oder fast fertige Projekte meiner Autoren - auch 42er - betroffen sind, will ich gar nicht erzählen. Es ist wahrlich eine Scheißnachricht."



    Wie verschieden wir Schriftsteller doch sind... Für mich war die Insolvenz eine Erlösung - ein echter Jubeltag - "Halleluja!"



    Nach den letzten Skandalnachrichten von "Weltbild" vor ungefähr einem Jahr richtete ich ein Stoßgebet zum Himmel, daß der liebe Herrgott diese mittlerweile Jahrzehnte währende Posse endlich beenden möge - und er hatte ein Einsehen (offenbar ist mein "Draht nach oben" ohne Evangelisten, Apostel, Engel, Heilige, Märtyrer, Maria, Joseph und Jesus etwas kürzer als der der katholischen Kirche als Eigentümerin von "Weltbild").



    MfG



    Walter Hilton



    P.S. Hoffentlich wird durch das Insolvenzverfahren ein Jubeljahr für mich eröffnet - auch die Wälder unseres Planeten würden es sicherlich begrüßen.








    ICH MACHE HIER KEINE WERBUNG UND LASSE MICH AUCH NICHT AB- ODER BEWERBEN.

  • Im Moment bekommt ein Haufen Autoren die ausstehende Tantieme nicht, weil Weltbild die Distributoren nicht mehr bezahlt. Kann ich nicht drüber lachen oder jubeln, echt nicht.

    Liebe Susanne,


    ja, da hängt viel dran. Ich kann auch nicht drüber lachen. Hoffen wir das Beste, vor allem auch für die Beschäftigten von Weltbild, die einen guten Job gemacht haben.


    Lieber Gruß


    DianaH

  • Bei der Insolvenz des Aufbau-Verlags im Juni 2008, die ja ähnlich hausgemacht war, wurden auch zunächst alle Zahlungen an die Autoren zurückgehalten, aber nur für sehr kurze Zeit. Allerdings war Ursache dieser Insolvenz eine Forderung, die letztlich nie realisiert wurde, nämlich eine des Inhabers gegen sein eigenes Unternehmen.


    Wenn ein Verlag Tantiemen nicht bezahlt, weil ihm das im Insolvenzverfahren vorerst nicht möglich ist (tatsächlich entscheidet der Insolvenzverwalter, was gezahlt wird und was nicht), haben Autoren umgekehrt natürlich auch das Recht, den Vertrieb der eigenen Bücher (ggf. vorübergehend) zu untersagen und/oder die Verträge fristlos zu kündigen. Damals haben das auch ein paar Aufbau-Autoren gemacht, aber meiner Erinnerung nach nur wenige (die sowieso wechseln wollten). Immerhin dauerte es mehrere Monate, bis man Backlist-Titel bei anderen Verlagen untergebracht hat, so es überhaupt gelingt, und seine Tantiemen hat man dann immer noch nicht.


    Das ist eine bittere Pille, nicht nur für die Autoren, sondern natürlich auch für die anderen Verlagsmitarbeiter. Andererseits kann eine solche Situation auch eine Chance sein, denn Weltbild hat Potential, es aber leider nicht zeitgemäß genutzt.

  • Das ist eine bittere Pille, nicht nur für die Autoren, sondern natürlich auch für die anderen Verlagsmitarbeiter. Andererseits kann eine solche Situation auch eine Chance sein, denn Weltbild hat Potential, es aber leider nicht zeitgemäß genutzt.

    Da hast Du vollkommen recht, lieber Tom. Hoffen wir, dass Weltbild eine Chance bekommt und dann auch zu nutzen vermag.


    Herzlich DianaH

  • traurig, verantwortungslos


    Das hat mit Verantwortungslosigkeit nichts zu tun. Tom schrieb es schon, dass Weltbild nicht mehr zahlen darf und der Insolvenzverwalter das nicht so ohne weiteres freigeben kann. Da steht das Insolvenzrecht vor.

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Sagen und Legenden aus Baden

    ASIN/ISBN: 3955403823


    Im Inneren eines Menschen existiert ein Kern, der von Fragen wie Staatsbürgerschaft oder sozialer Herkunft völlig unberührt ist. Dafür sollte sich die Kunst interessieren.
    Marina Davydova

    SZ Nr. 289, 15.12.2022, S. 11


  • Das hat mit Verantwortungslosigkeit nichts zu tun. Tom schrieb es schon, dass Weltbild nicht mehr zahlen darf und der Insolvenzverwalter das nicht so ohne weiteres freigeben kann. Da steht das Insolvenzrecht vor.


    Richtig, aber die falsche Unternehmensstrategie von Weltbild war ein Grund der Insolvenz. Das Konzept zog nicht mehr, und das hat man zu spät gemerkt. Dort setzt die Verantwortungslosigkeit für tausende Mitarbeiter an, die dem Konzern eben auch dieses mangelnde Gespür für die Wirklichkeit des Buchmarktes vorwerfen. Die Kirche ist eben oft einen Schritt hinter den Bedürfnissen der Leute zurück. Falsche Unternehmenspolitik wird in dieser Zeit des Umbruchs und des Hinwendens zur digitalen Welt schnell abgestraft. Die Billigprodukte aus China und anderen Billigländern waren auch nicht verkaufsfördernd für das Buchgeschäft. Ähnlich wie bei Tchibo, wo Kaffee "noch" verkauft wird, aber ein relativ hochwertiges Beiprogramm angeboten wird, ist es bei Weltbild mit dem Billigsegment eben nicht zu machen gewesen.

  • So ist das richtig, Bettina. Nur stand das Verantwortungslos an der falschen Stelle, dazu noch mit einem Zitat, das sich auf die Zahlung ausstehender Verbindlichkeiten (betrifft alle Lieferanten, nicht nur Autoren) bezieht? Wenn zitieren, dann richtig.


    Die richtige Kritik ist, meine ich, dass Weltbild als kirchliches Unternehmen die gleichen Fehler macht wie Wirtschaft und Industrie, die von der Kirche gerne angeprangert werden, wenn mal wieder Arbeitsplätze wegfallen. Allerdings muss man im Augenblick zur Kenntnis nehmen, das von kirchlicher Seite finanzielle Hilfen für die Mitarbeiter versprochen werden. Da bleibt immerhin abzuwarten, inwieweit diese(s) Versprechen eingelöst werden.

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  • Ein interessanter Bericht über die Weltbild- und Hugendubel-Buchläden


    Interessant auch der Leserkommentar. Da wird nicht mehr von Buchhändlerin sondern von Kassiererin gesprochen.

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  • Tja, das Buch ist längst nur noch eine Ware wie jede andere.


    Bei diesen Vermarktern, die nicht mehr das einzelne Buch, sondern Bücherstapel vermarkten. Aber da sehen wir ja, wohin das führt. Die »richtigen« Buchhandlungen wurden nicht hinweggefegt oder integriert, wie das alle Ketten probiert haben (Thalia hat sich da auch sehr hervorgetan), sondern konnten sich behaupten. Nicht alle - aber diejenigen, die sich gegen den vermeintlichen Trend gestellt haben sehr wohl.

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