"Die in der Hölle sind immer die anderen" - Mein erster Roman ist bei Kindle eBooks erschienen!

  • Lieber Thomas,


    jenseit von Hass auf Amazon: Eine Begrenzung bleibt, denn Amazon fixiert weiterhin auf das eigene Format, zwar aus Sicht von Amazon aus nachvollziebaren Gründen, die Nutzer anderer Reader haben aber nichts davon. Als erstes über Amazon zu veröffentlichen mag gut sein, da sich verschiedene Vorteile zeigen - ich schrieb es ja in meinem vorausgegangenen Posting bereits - aber langfristig meine ich, ist das breitere Streuen besser. Bei Neobooks bietet sich über den "Wettbewerb" noch die Öffnung zum Buchverlag (Droemer/Knaur) an. Das hat sogar schon eine ehemalige Forumsteilnehmerin geschafft.


    Mein Plädoyer war und ist: Den Einstieg als E-Book-Selfpublisher ruhig mit Amazon machen, dann aber breiter streuen. Amazon bleibt dabei ja nicht außen vor.

  • Kaum ist man mal nicht im Forum, gibts interessante Dinge. Auch wenns zum Runterladen zu spät ist. Äh... bei den zehn Agenten war ich aber nicht dabei, oder? Aber mein Gedächtnis lässt sowieso nach. Wie auch immer: Klasse, TWJ!

  • Durch die Leihexemplare bekomme ich aber - genauso wie durch den fünftägigen Gratisverkauf – Schwung aufs Rad, ich bekomme Rezensionen und eine gewisse Zirkulation, die ich sonst nicht hätte. Und das ist das Wesentliche! Das ist zumindest mal ein Anfang!


    Die ausgeliehenen Exemplare dienen nicht nur der Verbreitung, sondern man bekommt auch Tantiemen dafür. In den letzten Monaten lag der Wert immer um die 1,70 bis 1,80 € pro Ausleihe. Das ist auch der Grund, warum ich bisher bei Amazon geblieben bin. Bei 50 - 60 Ausleihen pro Monat macht das etwa 10 % meiner KDP-Umsätze aus. Es gibt Stimmen, die sagen, dass die Verkäufe auf anderen Plattformen das nicht oder kaum ausgleichen. Aber vielleicht ändert sich das mit der Zeit.

  • Die ausgeliehenen Exemplare dienen nicht nur der Verbreitung, sondern man bekommt auch Tantiemen dafür.


    Guter Punkt!


    Ich hab das zwar gelesen, bis jetzt aber nur theoretisch verstanden, aber es stimmt natürlich: die Ausleihen bringen auch nochmal Geld.


    Ich muß auch nochmal sagen: Die ganze Anleitung: wie man E-Books aus Word konvertiert, wie überhaupt das ganze Geschäft funktioniert – all das ist bei Amazon am besten erklärt und dargestellt. Und ich sehe jetzt schon, daß man mit zunehmender Erfahrung beim Veröffentlichen von E-Books noch vieles optimieren kann.

  • Da gibt es noch was Praktisches für Kindle-Publisher. Mattias Matting - Das inoffizielle Kindlle- Handbuch. Hab ich mal für zwei oder drei Euro runtergeladen und fand es brauchbar, für mein erstes e-book. Von dem Autor gibt es auch noch etwas Weiterfuehredes, speziell zum Veroeffentlichen. Einfach mal googeln.


    Manuela :)

  • Da gibt es noch was Praktisches für Kindle-Publisher. Mattias Matting - Das inoffizielle Kindlle- Handbuch. Hab ich mal für zwei oder drei Euro runtergeladen und fand es brauchbar, für mein erstes e-book. Von dem Autor gibt es auch noch etwas Weiterfuehredes, speziell zum Veroeffentlichen. Einfach mal googeln.


    Hallo Manuela,


    ja, es gibt bereits einige Bücher zum Thema E-Publishing. Ich habe mir kürzlich noch Horst-Dieters gutes Buch geholt und mir damit das noch fehlende Fachwissen besorgt. Horst-Dieters Buch ist klar strukturiert, reichhaltig und sehr umfassend. Ich habe sowohl für meine Arbeit mit Word (Formatvorlagen) als auch für die Konvertierung in die E-Book-Formate noch eine ganze Menge davon profitiert. Man lernt wirklich nie aus!


    [buch]3908498163[/buch]

  • Ich habe dieses Buch nun gelesen und auch bei Amazon meine Meinung dazu kundgetan *. Was ich noch einmal ausdrücklich positiv hervorheben möchte: Das Thema wird nicht medienwirksam ausgeschlachtet. Natürlich ist diese Geschichte nichts für schwache Nerven. An einigen Stellen habe ich aufgrund des Inhalts ernsthaft überlegt, die Lektüre abzubrechen. Ich möchte nicht wirklich wissen, was in einem Pädophilen vorgeht, während er seinen Neigungen nachgeht, auch dann nicht, wenn er es nur selbst berichtet. Aber der Fokus liegt hier auf den Gefühlen der Eltern. Diese werden auf sehr empathische, aufrüttelnde Weise dargestellt.


    *TWJ hatte mich darum gebeten. Gelesen hätte ich das Buch wahrscheinlich sowieso.

  • An einigen Stellen habe ich aufgrund des Inhalts ernsthaft überlegt, die Lektüre abzubrechen.


    Liebe Saskia,


    Ich danke für deine Rezension und deinen Kommentar hier.


    Ich habe gesehen, daß die Leser diesen Roman ganz allgemein unter der Rubrik „nichts für schwache Nerven“ klassifizieren – und das, obwohl es tausende von Büchern über Serienmörder gibt, die viel schlimmere Verbrechen begehen als dasjenige, das in diesem Buch geschildert wird.


    Ich weiß natürlich schon, warum dieses eine Verbrechen hier als dermaßen schlimm angesehen wird: weil es sich beim Opfer a) um ein Kind handelt und b) die Trauer und die absolute Verzweiflung der Eltern ausführlich geschildert wird. Das ist es, was in einem normalen Krimi nie vorkommt. Die Opfer und die Hinterbliebenen spielen im handelsüblichen Krimi überhaupt keine Rolle, dafür werden die Täter zu intelligenten Monstern à la Hanibal Lecter hochstilisier – obwohl es überhaupt nicht dümmeres auf der Welt gibt als Serienmörder. Ted Bundy soll noch der intelligenteste gewesen sein, und der war strunzdumm.


    Die ganze deutsche Berichterstattung aus den Gerichtssälen beruht immer darauf, daß die Opfer keine Namen und keine Stimme haben dürfen. Die Rote Armee Fraktion (RAF), an die sich der eine oder andere vielleicht noch erinnert, hat für uns alle und unser aller Bestes – wir reden vom glücken sozialistischen Funktionärsstaat ohne Geld, Ausbeutung und Banken – insgesamt 34 Menschen ermordet. In der bei weitem am meisten verbreiteten Geschichte der RAF von Stefan Aust werden die Opfer so gut wie nie genannt. Es gibt kein einziges (!) Bild von einem Opfer der RAF, nicht auf 672 Seiten, dafür gibt es mindestens hundert Bilder der Täter aus allen nur denkbaren Blickwinkeln. Das hat natürlich einen guten Grund: Aust sympathisiert ganz heimlich mit der RAF, was unter Linken aber völlig normal ist. Würde er nun allzuviel über die Opfer der RAF schreiben und ihre Angehörigen, dann würde man merken, daß die RAF ganz normale Menschen umgebracht hat, genau die Menschen also, die sie angeblich befreien wollte. Das soll aber keiner wissen, denn sonst wäre es mit der Sympathie für die die RAF ganz schnell vorbei.


    So ist es mit fast allen Gerichtsreportagen, insbesondere denen in der SZ, im Spiegel und der Zeit: von den Opfern soll keiner was wissen, nie soll jemand erfahren, wie das ist, wenn Verbrecher ganz normale Menschen und Familien: Kinder, Eltern, Mütter, Väter, Omas, opas, Freunde etc. auslöschen – denn dann könnte das alte romantische Argument, daß die Gesellschaft die Täter zu dem gemacht hat, was sie wurden (weshalb nicht sie, sondern die Gesellschaft schuld ist), irgendwann nicht mehr verfangen.

  • Nun noch etwas: Ich kann durchaus verstehen, daß jemand sagt: ich will da nicht weiterlesen! Das Schreiben ist mir schon nicht leichtgefallen - ich bin alleinerziehender Vater. Ich habe jahrelang mit allergrößter seelischer Energie daran weitergeschrieben, obwohl auch ich manchmal so weit war, daß ich mir gesagt habe: und jetzt mag und kann ich einfach nicht mehr.


    Aber: all das, was ich beschrieben habe, ist nach authentischen Fällen gestaltet, deshalb hat das Buch ein Literaturverzeichnis und Anmerkungen. Pädophile Sexualmörder sind genau so, wie ich sie geschildert habe. Ich habe mich bei meinen langjährigen Recherchen insbesondere auf den heute fast vergessenen Fall von Jürgen Bartsch bezogen.


    Über Bartsch gibt es ein sehr brauchbares und gleichzeitig vollkommen typisches Buch. Ein homosexueller amerikanischer Journalist hat sich mit Bartsch befreundet, als der im Gefängnis saß, und Bartsch über Jahre hin weg interviewt und tausende von Briefen mit ihm gewechselt. Herausgekommen ist ein in mancher Hinsicht absolut einzigartiges Werk, in dem ein – sehr eloquenter und einigermaßen intelligenter Sexualmörder – mit größter Offenherzigkeit über seine Taten spricht und alles, wirklich alles bis ins kleinste Detail schildert.


    Auch in diesem Buch spielen die vier Jungen, die Bartsch vor ihrem Tode noch auf entsetzliche Art und Weise gefoltert und erst dann umgebracht hat, überhaupt keine Rolle. Sie kommen nur als leere Namen vor, die für nichts stehen, während Bartsch selber auf 450 Seiten ausbreiten darf, wann und wo er genau beim Pinkeln Probleme hatte. Das Buch ist dumm, lächerlich, vollkommen unwissenschaftlich – und trotzdem höchst lehrreich. Solche Bücher gibt es tatsächlich. Ich bin allerding froh, daß ich in meinem Leben sowas nicht mehr lesen muß. Irgendwann wird’s auch mir zuviel.


    [buch]3499614820[/buch]

  • Hallo Thomas,


    dass an den Taten solcher Verbrecher die Gesellschaft Schuld sei, halte auch ich für Unsinn. Abgesehen davon: Ich glaube nicht, dass es etwas bringt, nach Schuldigen zu suchen. Man kann jedem die Schuld an solchen Verbrechen geben, Gott oder dem Staat, aber das führt zu gar nichts.


    Dein Buch habe ich absichtlich und etwas warnend als "Nichts für schwache Nerven" eingeordnet. Ich weiß, dass das ein ausgeleierter Begriff ist. Aber wer nichts über solche Themen lesen möchte, der soll es nicht tun.


    Was mich persönlich angeht: An manchen Stellen stieß es mir übel auf, etwa bei der Szene, in der Michael das Grab seines Sohnes besucht. Das kann und soll natürlich kein Argument gegen deinen Text sein, eher im Gegenteil, und natürlich reagiert jeder Leser anders darauf.


    Herzlicher Gruß,
    Saskia

  • Glückwunsch, TWJ, zum ersten Kindle-Kind! Mögen ihm viele Leser und Dir viel Erfolg damit beschieden sein :)


    Hallo Andrea,


    Ich danke für deine guten Wünsche!


    Ich bin auch froh, zumindest damit mal fertig zu sein. Verkauf und Kritiken sind ganz gut, ich bin durchaus positiv überrascht. Mit dem ersten Buch ist es wie mit dem ersten Achttausender – alle anderen sind danach nur noch Lauferei und das Bemühen, wieder heil ins Tal zu kommen.


    Auch an dich herzliche Grüße von Haus zu Haus! Ich habe immer mit fernen Wohlwollen deinen Weg verfolgt und kann mich noch gut daran erinnern, als du dich als Autorin – sogar mit einem Businessplan! - selbständig gemacht hast. Glück und Zuversicht auf allen Wegen wünsche ich!

  • Tja, lieber Thomas,


    ha, das weißt Du noch? Ich bin erstaunt und gleichermaßen erfreut.
    Das mit dem Businessplan ... mei, mei, lang ist's her. Aber dem Finanzamt gegenüber gelte ich nach wie vor als genau das: als freiberufliche Schriftstellerin.


    Im Veröffentlichen bin ich den selben Weg gegangen wie Du, allerdings via neobooks als Distributor, nicht direkt zu amazon. Ein paar Kröten werfen meine parodistischen Krimis immer noch ab. Aber inzwischen weiß ich, dass dies auf Dauer nicht mein Weg ist. Du hast es schön beschrieben: Laufen und Bemühen. Genau davon braucht's eine Menge, um sich aus der Masse der Selfpublisher herauszuheben und eine Sichtbarkeit zu erreichen, die Dir ein bisschen was vom großen Leserkuchen einbringt. Dafür wünsch ich Dir gutes Durchhaltevermögen. Mir ging schnell die Puste aus, weshalb ich froh bin, parallel mit den Heftromanen ein bisschen was zu verdienen - bis ich endlich die Idee, das Können und die Ausdauer für DEN Bestseller habe ;)


    Wir bleiben dran!
    Glück und Zuversicht gleichermaßen für Dich!

  • Hab mir das Buch kostenpflichtig aufs Handy geladen und
    gelesen.



    Es ist gut geschrieben. Spannend. Manche Stellen gehen an
    die Substanz, das stimmt, hab aber trotzdem weiter gelesen.



    Allerdings bin ich etwas nachdenklich zurück geblieben.
    Zumal Weigandt zu einem intelligenten Serienkiller mutiert ist, und das gut
    nachvollziehbar erklärt wird …

  • Zumal Weigandt zu einem intelligenten Serienkiller mutiert ist, und das gut
    nachvollziehbar erklärt wird …


    Hallo Charly,


    Danke für deine netten Worte!


    Ist dir aufgefallen, daß mein Held Saarländer ist und der ganze Roman in Saarbrücken – wo ich nur einmal in meinem Leben, dann aber fast ein Jahr lang gewesen bin - spielt?


    Ich hatte damals ein Consulting-Projekt in – halt dich fest – Burbach, kann man sich das vorstellen?


    Im Saarland habe ich drei Dinge gelernt: daß da a) alle grillen ,was man dort schwenken nennt; b) jeder Saarländer jeden anderen kennt oder zumindest einen kennt, der den wiederum kennt; und c) man Reisen in die restliche Bundesrepublik Fahrten ins Reich nennt.

  • Hallo Flaschengeist,


    vielen Dank für deine freundlichen Worte!


    Das war mein dritter Roman – und der erste, den ich – irgendwie – veröffentlicht habe. Davor habe ich zweimal jeweils bei ca. 38.000 Wörtern abgebrochen, weil ich keinen überzeugenden Plot hatte bzw. den Plot, den ich hatte, nicht richtig durchdacht habe.


    Daß dieses Buch wenigsten als E-Book ein paar Leser gefunden hat, liegt ganz allein an Amazon. Die haben 2013 eine Kampagne gestartet, die auf Leute wie mich zugeschnitten war: Autoren, die keinen Verlag haben, aber trotzdem gerne veröffentlichen würden. Selfpublisher eben.


    Als ich das im Sommer 2013 gelesen habe, dachte ich mir: So, jetzt gibst du dir einmal noch Mühe und schaust, daß du den Text so gut wie irgendwie möglich machst, und dann haust du das Zeug raus.


    Ich habe dann das ganze Manuskript nochmals gefühlte 10 mal durchkorrigiert, wobei mich drei Teilnehmerinnen aus diesem Forum, die den ganzen Text – mehrmals! – korrekturgelesen haben, sehr wirksam unterstützt haben, wofür ich ihnen heute noch dankbar bin.


    Ohne Amazon, ohne dieses Forum und ohne eine gewisse Hartnäckigkeit hätte ich nie mehr eine belletristische Veröffentlichung zustande gebracht.


    Danach habe ich noch mehrere Bücher veröffentlicht, immer als Amazon-E-Books, und eines davon verkauft sich, offenbar weil es gewisse Genre-Anforderungen zufriedenstellend erfüllt, seit Jahren ganz gut, was bei mir bedeutet: 30 bis 40 E-Books pro Monat. Da ich zwei Bücher mit erotischen Geschichten veröffentlicht habe, habe ich in manchen Monaten auch schon 100 bis 200 Bücher verkauft. Sex sells, das gilt auch hier.


    Obwohl ich als "Autor" ein vernachlässigenswertes Schmalspurdasein führe, bereitet mir auch dieser diminutive Status Freude, weil ich a) schon irgendwie Leser habe, b) ab und zu eine Rückmeldung bekomme, c) durch Selfpublishing eine Menge gelernt haben und d) mich all das dazu bewegt hat, immer weiter zu schreiben.

  • Danke für die ausführliche Antwort!


    Ich finde es interessant, dass du auch auf die weitreichenden Folgen von Florians Behinderung eingehst. Damit sprichst du ein heikles Thema an, dem viele aus dem Weg gehen. Diese gewisse Nüchternheit, mit der du es angehst, finde ich ungewöhnlich und sehr passend.