belletristik: deutsche können nicht so gut schreiben wie us-amerikanische autorInnen?

  • deutsche können nicht so gut schreiben wie us-amerikanischeautorInnen?


    das gerücht hält sich ja hartnäckig, zumindest in meiner wahrnehmung. begründet wird die behauptung u. a. damit, dass in den usa sog. kreative schreibkurse tradition haben - im gegensatz zu deutschland - und davon viele bestsellerautorInnen profitieren. ich lese mich zur zeit querbeet durch die krimilandschaft der usa. im moment habe ich einen autor am wickel, der beschreibt in einem satz wie eine person aussieht und was sie für klamotten trägt und das bei wirklich jeder person und davon gibt es unübersichtlich, manche haben nur einen einzigen auftritt im krimi. mich nervt das. aber nicht so sehr, dass ich aufhören würde zu lesen. spannend ist es schon. aber, ich habe auch erst den 2. band der krimireihe am wickel. mag sein, dass ich danach durch bin


    lange rede ... - können wir von us-amerikanischen autorInnen besser schreiben lernen und wenn ja, was konkret?

  • Grundsätzlich bin ich ja der Meinung, dass man von jedem Autor Lernen kann. Im Zweifelsfall heißt das: Eine Lektion im Schreiben, wie man es nicht machen sollte.
    Aber hier ist vielleicht schon die Grundlage ein Problem. Kann man Sprachen ohne weiteres vergleichen? Schreibstile auf andere Sprachen übertragen?
    Weiterhin glaube ich, dass man, wenn man von dem Autor etwas lernen möchte, das Original lesen muss. Sonst lernt man vom Übersetzer - und die sind ja schonmal etwas gewöhnungsbedürftig. ;)

  • :like genau aus diesem grund lese ich im original, benedikt.


    über das stadium, wie man es nicht machen sollte, bin ich hinaus. es hat mir beim lernen durch lesen nicht viel geholfen. eigentlich nix. selber fehler machen und diese erkennen und nach wegen suchen, es besser zu machen, das hilft mir viel mehr. deswegen, ich forsche danach, wie man es machen sollte.

  • deutsche können nicht so gut schreiben wie us-amerikanischeautorInnen?


    das gerücht hält sich ja hartnäckig, zumindest in meiner wahrnehmung. begründet wird die behauptung u. a. damit, dass in den usa sog. kreative schreibkurse tradition haben - im gegensatz zu deutschland - und davon viele bestsellerautorInnen profitieren. ich lese mich zur zeit querbeet durch die krimilandschaft der usa. im moment habe ich einen autor am wickel, der beschreibt in einem satz wie eine person aussieht und was sie für klamotten trägt und das bei wirklich jeder person und davon gibt es unübersichtlich, manche haben nur einen einzigen auftritt im krimi. mich nervt das. aber nicht so sehr, dass ich aufhören würde zu lesen. spannend ist es schon. aber, ich habe auch erst den 2. band der krimireihe am wickel. mag sein, dass ich danach durch bin


    lange rede ... - können wir von us-amerikanischen autorInnen besser schreiben lernen und wenn ja, was konkret?


    Ich denke, es ist ein Gerücht und deshalb wird es sich auch noch länger halten. Wie Gerüchte funktionieren, erzählt Rafik Schamir sehr anschaulich. Deshalb gibt es auch schon kuriose Varianten dieses Gerüchts. Und deshalb sind auch Varianten von Antworten auf diese Frage möglich. Benedikt sagt ja schon treffend, das man von jedem Autor lernen kann, sogar wie man es nicht machen sollte. Wenn man in einem bestimmten Genre schreibt, kann es auch hilfreich sein, Autoren in einem anderen Land zu studieren, meinetwegen auch in Amerika, obwohl ich nach wie vor glaube, das nur wenige gute Krimis von dort kommen.


    Das zum Thema Kreatives Schreiben in den USA eine längere Tradition gibt, ist richtig. Dafür gibt es die bei uns zum Thema "literarisches Schreiben", auch wenn man das nicht so lange und nicht so häufig gelehrt bekommt. Interessanterweise haben sich trotzdem viele Autoren in dieser Richtung aufgemacht. Und das schon seit Jahrhunderten. Die Situation beim Kreativen Schreiben hat sich auch verbessert, so dass wir der Tradition in den USA nicht nachtrauern müssen.

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Sagen und Legenden aus Baden

    ASIN/ISBN: 3955403823


    Wir haben sogar Bücher zuzm Totlachen aufzuweisen, von denen ich wünschte, dass die Verfasser die erste Probe an sich gemacht hätten!.
    Carl Julius Weber

    aus: Demokritos


  • Grundsätzlich bin ich ja der Meinung, dass man von jedem Autor Lernen kann. Im Zweifelsfall heißt das: Eine Lektion im Schreiben, wie man es nicht machen sollte.


    Es gibt sogar die Mär, dass man von schlechter Literatur mehr lernt, als durch die großen Lichtwerke. Ich persönlich halte von dieser Auffassung eine ganze Menge, denn was mich nervt (s. Alexandras Krimi-Autor aus den U.S. of A.) vermeide ich doch freiwillig in meiner Schreibe, oder? ")"

  • romane und geschichten sind grundsätzlich literarisch. deutsche tradition ist das schubladen denken. sog. literarische texte dürfen nicht gleichzeitig auch unterhaltsam sein, das ist ein kunstfehler, der vom feuilleton abgewatscht wird

  • Ich kenne das Gerücht aus dem LiRo-Bereich, allerdings gilt es als veraltet. Vor 10-15 Jahren war es tatsächlich noch ziemlich üblich, zu sagen: Ich lese nur amerikanische LiRos - die Deutschen können das nicht.
    Und ich habe einige Stammleserinnen (u.a. meine Lektorin ;) ) die das selbst so sahen.


    Der große Unterschied war: Perspektive - Erlebte Rede.
    Die Amerikaner schrieben ihre LiRos zu 98% ganz tief aus dem Inneren der Figuren hinaus statt von außen, was auch ohne jeden Kitsch gleich viel, viel emotionaler wirkt. Sie scheuten sich nicht (wie die Deutschen) vor Umgangssprache, wenn sie passte und machten ihre Figuren damit echter als das Gros der deutschen LiRo-Autoren, die vielleicht literarisch mehr auf dem Kasten hatten - aber eben keine "echten, lebendigen" Figuren hinbekamen.


    Wie gesagt, inzwischen gilt das als veraltet, aber wenn man ältere LiRos findet, lohnt sich ein Blick rein. Der wird das bestätigen.

  • das hat aber eher etwas mit modeerscheinung zu tun, finde ich. eine folge von zu viel tv-konsum? beim lesen genauso abschalten können wie vor der glotze? passives lesen sozusagen, bloß nicht selbst denken müssen?
    ein gegenbeispiel ist john irving. er schreibt immer in der allwissenden perspektive, meine ich. und er ist sehr erfolgreich oder etwa nicht? ich lese ihn sehr gerne, aber selber in der perspektive zu schreiben, da komme ich mit mir nicht klar

  • Ich denke auch, dass es zumindest ein Stück weit mit unseren Lesegewohnheiten und nicht nur mit unseren Schreibkompetenzen zu tun hat. Gerade z.B. die ständigen Perspektivwechsel und oft auch die allwissende Perspekte, die man in amerikanischen Krimis relativ häufig findet, werden von uns bei deutschen Autoren nicht so angenommen. Hier traut sich kaum jemand, so zu schreiben (vielleicht auch, weil er von Verlagen und Agenturen keinen Erfolg damit hätte). Und eine dramatische und spannende Verwicklung von Ereignissen an den Leser zu bringen und zwar ausschließlich aus der personalen Perspektive einzelner Figuren, ist nun einmal schwieriger. Oftmals bleibt dann eben genau die Spannung auf der Strecke, weil der Leser nur das erfährt, was die beteiligte Person weiß und erlebt und nicht, was sich gleichzeitig irgendwo viele Kilometer entfernt zusammenbraut, unter Umständen gerade gegen diese Figur gerichtet.

  • romane und geschichten sind grundsätzlich literarisch. deutsche tradition ist das schubladen denken. sog. literarische texte dürfen nicht gleichzeitig auch unterhaltsam sein, das ist ein kunstfehler, der vom feuilleton abgewatscht wird


    So ist es. Deshalb sind viele preisgekrönte Romane auch (für mich) nicht lesbar. Dick, gedankenschwer, angeblich tiefgründig - dann lege ich sie weg. Von "docere et delectare " bleibt oft nur das docere übrig.

  • Nu, ich finde eigentlich nicht, dass Literatur - genau wie jede Kunst - gefällig sein muss...im Gegenteil...je verschwurbelter das Ganze, oder je abstrakter...desto mehr ist mein Ehrgeiz geweckt, dahinter zu kommen...
    Ich stelle natürlich immer die Bedingung, dass ich nicht gelangweilt werden darf...aber auch das ist subjektiv und eben mein Geschmack.

    [buch]3866855109[/buch]


    "Sinn mag die äußerste menschliche Verführung sein." - Siri Hustvedt

  • Gerade z.B. die ständigen Perspektivwechsel und oft auch die allwissende Perspekte, die man in amerikanischen Krimis relativ häufig findet, werden von uns bei deutschen Autoren nicht so angenommen.

    das ist z. b. eine technik, die könnten wir uns auf den merkzettel schreiben, finde ich auch.

  • das ist z. b. eine technik, die könnten wir uns auf den merkzettel schreiben, finde ich auch.


    Man sollte es sich aber gut überlegen, wo und wie man das anbringt. Es passt nicht überall und wenn man es einsetzt, dann muss man das auch können. Ständige Perspektivwechsel aus Gedankenlosigkeit sind eine Katastrophe.

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    aus: Demokritos


  • Aber das ist ja dann eine Unterscheidung zwischen handwerklich gut geschriebener und schlecht geschriebener Literatur.
    Oder nicht?
    Zuletzt ist mir übrigens bei Kate Wilhelm so etwas passiert, dass ich mich am Anfang eines Romans völlig überfordert fühlte mit der ungewohnten auktorialen Erzählweise...aber sie war ab Mitte des Romans dermaßen einleuchtend, dass mir nur anerkennend der Mund offen stand und ich die restlichen Seiten - nun einmal überzeugt - geradezu herunter schlang.

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  • Kann man Sprachen ohne weiteres vergleichen? Schreibstile auf andere Sprachen übertragen?

    Nicht ohne weiteres, stimmt. Aber man kann und sollte Sprachen miteinander vergleichen. Eine tolle Möglichkeit, um sich für die groben und feinen Nuancen (auch innerhalb der eigenen Muttersprache) zu sensibilisieren. Man kann sich immer wieder fragen: Wie hätte ich's auf Deutsch gemacht?
    Vieles kann man ganz wunderbar aus Übersetzungen lernen. Nämlich all das, was jenseits der Textebene liegt. Alles, was nicht direkt mit Sprache zu tun hat. Etwa Figurenzeichnung, Dramaturgie/Spannungselemente, Gestaltung von Settings und schlicht und einfach die Handlung. All das kann jede Sprache transportieren, der Unterschied liegt allein im Wie.


    Ausschließlich Originale lesen zu wollen und Übersetzungen als eine Art Abklatsch zu betrachten, finde ich nicht so überzeugend.
    Abgesehen davon: Wenn man das durchzieht, verzichtet man ganz nebenbei auf einen riesigen Stapel an Literatur, die einem schlicht nicht zugänglich ist. Sprecht ihr zwanzig Sprachen, oder wie?

  • Bei meinem Lieblingsautor (amerikanisch, Krimi) hat mal zwischendurch die Übersetzerin gewechselt - das hat man gemerkt. Es war GRUSELIG.


    Dann war die zweite besser, denn darauf zielen die Amis in ihren Krimis ja ;)

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    Wir haben sogar Bücher zuzm Totlachen aufzuweisen, von denen ich wünschte, dass die Verfasser die erste Probe an sich gemacht hätten!.
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  • Man sollte es sich aber gut überlegen, wo und wie man das anbringt. Es passt nicht überall und wenn man es einsetzt, dann muss man das auch können. Ständige Perspektivwechsel aus Gedankenlosigkeit sind eine Katastrophe.


    können setzte ich selbstverständlich voraus, h-d !o-o- lg von alex, frisch geföhnt =)