Tom Liehr: Gefickt

  • Der Arbeitstitel lautete "So cool", das Manuskript hat fast zwanzig Jahre auf dem Buckel - und war dasjenige, mit dem ich seinerzeit die Michael Meller Lit. Agency von meinen Fähigkeiten überzeugt habe. Allerdings sagte Meller damals auch (sinngemäß): "Starker Text, aber völlig unverkäuflich." Als im vergangenen Jahr die Chichili Agency auf mich zukam und fragte, ob ich nicht noch etwas in der Schublade hätte, habe ich nicht lange gezögert. Auch nicht, als die Lektorin und der Verlagschef vorschlugen, den überaus subtilen Titel "Gefickt" für das Werk zu wählen. Es ist ab sofort erhältlich. Nichts für übersteigert Harmoniebedürftige. Bösartig, nahezu wertefrei, tabulos und sehr, sehr gemein. Zudem ziemlich lustig, wie ich finde.


    ASIN/ISBN: B008XLQLF6

  • Sieh an. Das Böse macht sich bei den 42ern breit =)


    Ich möchte es in meinem Urlaub lesen (Anfang September). Wird es bis dahin auch auf anderen Portalen - als ePub - erhältlich sein? Dann kann ich es auf meinem Reader mitnehmen und muss es nicht auf dem fisselig kleinen Display des iPhone lesen.

  • Ach, das kenn ich doch! Muss ich mir aber jetzt in der Form noch besorgen. Ist wirklich ein zauberhaftes, sensibles Büchlein für die ganze Familie. =)


    Schade, dass die Zeiten, wo ich den Kindern abends vorgelesen habe, vorbei sind 8-)

  • Hau mich jetzt nicht, Tom. Aber aufgrund des Titels hätte ich mir das Buch nie gekauft. :renn Nach Lektüre dieses Freds lasse ich mich eines Besseren belehren. "So cool" hätte mir trotzdem eindeutig besser gefallen. Aber dafür kannst du ja nix. :blume

  • Hallo, Petra.


    Doch, ich kann was dafür - ich bin gefragt worden, ob ich mit diesem feinfühligen, subtil-metaphorischen, familienfreundlichen Titel einverstanden bin. Und ich war es, also einverstanden. Der Titel ist mehrdeutig und verweist tatsächlich nicht nur auf die Lieblingsbeschäftigung der Hauptfigur. Er außerdem ist zugleich der Titel des Abschlusskapitels. Fraglos war und ist "So cool" auch ein guter Titel, aber letztlich geht es den Figuren überhaupt nicht darum, in den Augen anderer Leute cool zu sein. Andere Leute sind ihnen schlicht vollständig egal. Und, klar, manch einer mag davor zurückschrecken, einen Roman zu kaufen, der "Gefickt" heißt. Aber, ehrlich - und unter uns: Das ist mir wiederum völlig egal. Dieser Roman ist ein (wie ich finde, gelungenes) Experiment, und ich freue mich darüber, dass ihn andere jetzt lesen können, wenn sie wollen. Mehr erwarte ich nicht. Scheiß auf Verkaufszahlen und tolle Rezis. Wenn nur einer Spaß beim Lesen hat(te), ist das Ziel erreicht.

  • Also, wenn ein Verleger so scharf auf meine Schreibe wäre, dass er mich fragen würde, ob ich vielleicht noch irgendwo etwas auftreiben könnte, gerne auch aus der Schublade, dann ... würde ich denken: "Jepp, geschafft!"
    Du hast es offensichtlich geschafft. Herzlichen Glückwunsch, Tom! :gitarre


    Liebe Grüße


    Skylla

  • Hallo, Skylla.


    Zitat

    Du hast es offensichtlich geschafft.


    Da habe ich kürzlich einen interessanten Beitrag in irgendeinem Blog gelesen. "Geschafft" ist so ein Begriff, der sich bei Schriftstellern ständig neu definiert. Erste bezahlte Veröffentlichung, erster Agenturkontakt erfolgreich hergestellt, erster eigener Roman bei einem richtigen Verlag, erste Vertonung, erste Besprechung in einer deutschlandweit publizierten Tageszeitung, zum ersten Mal sechsstellig (Gesamtauflage), erste Auslandslizenz, erster Literaturwettbewerb gewonnen - alles Dinge, die ich "geschafft" habe (und noch einiges mehr), zuweilen allerdings, ohne direkten Einfluss darauf gehabt zu haben. Aber es bleiben weiterhin genug Dinge übrig, die man als Autor "schaffen" kann, vielleicht sogar will. Erste hohe fünfstellige Startauflage. Erster Vorschuss über 50 Riesen. Erste Verfilmung. Erster "Deutscher Buchpreis". LitNob. Weiß der Geier. Ich finde, das ist auch das Schöne am Autorensein - es gibt keine Grenze nach oben. Und aus dieser Sicht bin ich immer noch ziemlich weit unten - es gibt auch noch viele Etappenziele, die man sich setzen kann. Eine Anthologie bei einem großen Verlag in eigener Herausgeberschaft. Ein Drehbuch oder Bühnenstück. Eine englische Übersetzung. Usw.


    Zu den schönsten Dingen, die ich (mit) geschafft habe, zählt übrigens das hier. Die 42er. Was daraus geworden ist, macht mich sehr stolz. :)


    Und übrigens. Es kann jederzeit enden. Aus vielen Gründen.

  • Naja, das ist das, was ich bei mir in einem Anfall von Größenwahn schon gedacht habe: Schreib den ersten Roman fertig und steck' ihn in die Schublade. Wenn du erstmal groß 'rauskommst, dann nehmen die dir das Ding auch noch ab. =)


    Zitat

    Zu den schönsten Dingen, die ich (mit) geschafft habe, zählt übrigens
    das hier. Die 42er. Was daraus geworden ist, macht mich sehr stolz.

    Mit Fug und Recht.


    Zitat

    Und übrigens. Es kann jederzeit enden. Aus vielen Gründen.

    8o Die 42er? Die Autorenkarriere? Ist das eine düstere Vorausschau oder nur eine philosophische Anmerkung?

  • Zitat

    Die 42er?


    Eher nicht, glaube ich.


    Zitat

    Die Autorenkarriere? Ist das eine düstere Vorausschau oder nur eine philosophische Anmerkung?


    Eher letzteres. Man darf sich nie auf seinen paar Lorbeeren ausruhen, muss andauernd nachlegen, das Publikum ist vergesslich, und die Verlage meinen, in einer Krise zu stecken. Mein letzter Roman - "Sommerhit" - hat zwar großartige Kritiken bekommen, sich aber längst nicht so gut verkauft wie beispielsweise "Pauschaltourist", allerdings erscheint "Sommerhit" auch im kommenden Frühjahr abermals als Taschenbuch. Ich habe keine Ahnung, was geschieht, wenn die hohen Erwartungen, die der Verlag bezüglich meines nächsten Romans hat, nicht erfüllt werden. Was ich also sagen wollte: Wenn man gefühlt voranschreitet, ist das keine Garantie dafür, dass man auch tatsächlich kontinuierlich vorankommt. Eben noch vergleichsweise erfolgreich (und auch wirklich nur vergleichsweise - viele Autoren verkaufen deutlich mehr Bücher als ich), kann man schon morgen wieder zum Klinkenputzen verdammt sein. Dieser Tatsache sollte und muss man sich jederzeit bewusst sein.

  • Zitat

    Stimmt! Aber nicht »Es«, sondern einfach alles. Sogar das Leben :achsel

    Also wirklich. Darüber hat man hinterher immer noch genug Zeit sich Gedanken zu machen. :rofl