Sandra Rohde ist da...

  • Hallo, guten Morgen,


    ich freu mich, dabei sein zu können. Danke.


    Ich erzähl euch gern ein bisschen von mir, damit ihr einen ersten Eindruck habt, aber bitte nicht erschrecken!


    Ich bin 38 Jahre alt, Mutter von drei Kindern ( Katja 7, Sonja & Marek, 6 Jahre alt). Vor vier Wochen (noch während meine Bewerbung hier lief), ist mein Mann plötzlich gestorben. Er hat einen Herzinfarkt erlitten, ist vor den Augen der Kinder umgefallen und das war es. Ich war nicht zuhause, wurde später von der Kripo empfangen, die mir sagten, ich hätte nun keinen Mann mehr. Seltsamer Albtraum, dachte ich...Leider ist bis jetzt keiner erschienen, mich zu wecken.


    Mit dieser Info müsst ihr nicht umgehen können, das kann niemand.Ich habe in den letzten Wochen alle Sprüche gehört und ehrlich: keiner hilft!


    Nun aber zum Schreiben (Beschäftigung hilf am meisten, denke ich):


    Meine Mutter hatte viele Bücher, ich war ein einsames, dickes Kind und las gern. Irgendwann hatte ich von Susi & Strolch die Nase voll, griff bei ihr zu und erwischte: "Der Fremde" von Albert Camus. Damals war ich elf und wünschte so schreiben zu können. Ich hatte sozusagen eine "Bestimmung" und meine ideal "Stimme" gefunden.


    Heute mag ich noch immer Camus, Marquez und auch manches von Grass. Ich mag aber auch Krimis z.B von Mankell und Sebastian Fitzek finde ich klasse. Ich lese eigentlich alles von Hochliteratur über trivialsten Schund...Hesse und Konsalik...egal


    Ich habe immer viel gelesen und immer viel geschrieben. Ich denke, beides hilft, den eigenen Stil zu finden. Ich meine, dass ich den bereits habe und man meine Schreibe immer wieder erkennt, wenn man mich gelesen hat. Ich hardere immer noch mit den Themen und Genres. Eigentlich bin ich so eine "Gefühlstussi" und sollte Liebesromane schreiben, andererseits bin ich dafür viel zu nüchtern und wenn ich "PS. ich liebe dich" lese, dann würgt es mich!


    Ich will eine professionelle Autorin werden. Ich will Geld verdienen durch das, was ich am besten kann. Das ist mein Ziel. Sorry, aber ich habe kein anderes. Ich ärgere mich schon, dass ich mir nicht diesen "Vampirschwachsinn" aus den Fingern gesaugt habe (Biss zur Morgenröte, Biss zum...was auch immer)


    Okay, ich muss mich korrigieren: Ich möchte mit dem Schreiben Geld verdienen. Ich will mich aber auch noch achten und das, was ich tue für Kunst halten dürfen und mögen. Geld wäre toll, ist aber bestimmt nicht alles. Trotzdem halte ich die Bestsellerlisten im Auge... 8o


    Bevor mein Mann starb, habe ich an meinem ersten Krimi gebastelt. Jetzt sehe ich ein, das ist großer Mist. Ich bin kein Krimiautor, obwohl ich gern Krimis lese.
    Keine Ahnung, wie es weitergeht. Bestimmt werde ich zum Abschied meines Mannes etwas schreiben, einfach, weil ich das will und muss, um zu verarbeiten. Wir hatten eine grandiose Liebesgeschichte und "Tussi", die ich bin, sollte mir das nicht schwer fallen...


    Das war fürs erste Mal bei euch schon eine Menge, denke ich. Schont mich nicht, sagt mir immer die Meinung. Ich kann zwar auch nicht mit Kritik umgehen, aber wer kann das schon? Ich freu mich auf spannenden Austausch, auch auf Arbeit, mache gern was für den Verein und lerne gern dazu!


    Ich grüsse euch und wünsche frohe Pfingsten!
    Sandra Rohde

  • Hallo Sandra,


    herzliches Willkommen im Forum und im Verein. Ich freue mich schon drauf, demnächst von dir etwas zum Lesen zu bekommen :D


    Ja und ich freue mich, dass ich nun nicht mehr der einzige hier bin, der gelegentlich Grass gut findet. Ach ja, Camus mag ich auch. Bei mir war es die Pest, die den Einstieg in jungen Jahren brachte, aber da war ich schon 14 oder 15 und sein Konzept zur Überwindung des Absurden, das Ergreifen der Initiative, Handelnder zu werden (Mythos des Sysiphos) hat mich nachhaltig beeindruckt (bis heute), wenn auch nicht zum Atheisten gemacht.


    herzliche Grüße aus dem Taubertal


    Horst-Dieter

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Sagen & Legenden aus Franken

    ASIN/ISBN: 3955403602


    Mit Büchern können Sie meistens nicht viel verdienen. Aber ich komme in Kontakt mit anderen Menschen, und Buchveranstaltungen sind sehr viel besser als Rockfestivals.


    Billy Bragg (* 1957)

    Süddeutsche Zeitung Nr. 281 – 4. Dezember 2020, S. 26

  • hallo sandra,


    besten dank für deine ausführliche und bewegende vorstellung.


    mit deinen schreibambitionen und dem ziel, damit sogar geld zu verdienen, bist du hier genau richtig. ich träume täglich davon, v.a. tagsüber (nachts weiß ich nicht genau). genau das ist eines unserer wichtigsten ziele im verein: dass sich die mitglieder im schreiben und allem, was dazugehört professionalisieren.


    es gibt hier viele möglichkeiten, sich über handwerk und konkrete texte und projekte auszutauschen. schau dich in ruhe um, nimm dir einen keks und eine tasse tee dazu.


    freue mich auf den austausch mit dir, herzlich willkommen!
    michael


    (p.s. wundere mich, dass horst-dieter nicht laut aufgeschrien hat, nachdem du hesse in trivialliteratur eingereiht hast; ich würde ihn da auchnicht reintun. und grass' danziger trilogie ist unbestritten toll.)

  • Zitat

    Original von Michael Höfler


    (p.s. wundere mich, dass horst-dieter nicht laut aufgeschrien hat, nachdem du hesse in trivialliteratur eingereiht hast; ich würde ihn da auchnicht reintun. und grass' danziger trilogie ist unbestritten toll.)


    vielleicht, weil er das nicht gesehen hat. der Name Konsalik hat möglicherweise dafür gesorgt, dass ich mir die Stelle nicht so genau angesehen habe. Aber Hesse neben Konsalik zu stellen, das hat schon was. Der eine (Konsalik) mit einer einfachen Sprache und Themen, die der Bildzeitung entnommen sein können und der andere (Hesse) mit eher anspruchsvollen, nicht für jeden nachvollziehbaren Themen (so z.B. in Roßhalde oder dem Glasperlenspiel) und einer kunstvollen Sprache - das passt allenfalls als Gegensatz. Mal abgesehen davon, dass ich Hesse auch kritisch sehe, also nicht zu den Hardcore-Hessefans zähle. Und bei Grass ist nicht nur die Danziger Trilogie gut - allerdings auch nicht alles.


    Aber bei genauem hinsehen, da dort steht »von Hochliteratur bis Schund« und dann »Hesse, Konsalik« aufgezählt wird - ich glaube, so hat Sandra das gemeint. Vielleicht sagt sie dazu ja noch was


    Korrigierende Grüße


    Horst-Dieter

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    ASIN/ISBN: 3955403602


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    Billy Bragg (* 1957)

    Süddeutsche Zeitung Nr. 281 – 4. Dezember 2020, S. 26

  • Herzlich Willkommen Sandra,


    wenn ich richtig verstehe schreibst du hauptsächlich Gegenwartsliteratur und Unterhaltung, genau meine Lieblingsgenres. Ich würde mich freuen mal einen Text von dir zu lesen!


    Liebe Grüsse


    Andreas

  • Hallo Sandra!
    Von mir auch ein herzliches Willkommen!
    WOW! Deine ist die bisher bewegendste Vorstellung hier.
    Habe auch drei Kinder, bin Arzthelferin und habe schon des öfteren Menschen einfach tot umfallen sehen. Das fand ich schon schlimm genug. Aber den eigenen Mann...soweit mag ich gar nicht denken. Ich wünsche dir viel Kraft und Ruhe zum Trauern und hier in diesem Forum die auch nötige Ablenkung und natürlich viele nützliche Tipps. Die gibt es hier reichlich!!!


    LG von
    Stefanie

    [buch]3866855109[/buch]


    "Sinn mag die äußerste menschliche Verführung sein." - Siri Hustvedt

  • Hallo Sandra!
    Herzlich willkommen in diesem wilden Haufen! Ich bin sicher, Du wirst Dich hier wohl fühlen, viel lernen und die Zeit genießen.
    Genau: schreib Eure Liebesgeschichte auf. Nichts hilft einem Schreiber besser, als zu schreiben.
    Und. willkommen im Club der Dreiermamas! Hab auch 3 (10 und 6 Jahre und 5 Wochen).
    Herzlichen Dank für Deine ergreifende Vorstellung - sei umärmelt und nochmal: herzlich willkommen!

  • Hallo und vielen Dank für die netten Antworten und das Willkommen!


    Natürlich hätte ich schreiben sollen "Hesse ODER Konsalik", durch das UND sind beide in einen Topf geworfen (den Schundtopf), das war nicht beabsichtigt. Meinte nicht, dass ich beide gleich bewerte, sondern nur, dass ich beide lese und gelesen habe.


    Denke mal, dass hier jeder diesen Vergleich nachvollziehen kann. Hesse war vielleicht ein Genie, Konsalik dagegen ein guter Handwerker. Bestimmt sollten wir (ich eingeschlossen) zunächst anstreben, gute Handwerker zu werden oder zu sein.Gut gemachte Trivialliteratur hat immer eine Berechtigung und auch von Konsalik meine ich lernen zu können...


    Vorbilder sind gut und schön, lesen ist gut und schön, selber schreiben ist jedoch... das allergeilste...


    In diesem Sinne wünsche ich euch einen produktiven Tag!
    Lieber Gruss von Sandra

  • Zitat

    Original von Sandra Rohde
    …Konsalik dagegen ein guter Handwerker. …
    Lieber Gruss von Sandra


    Nun ja, wenn wir den Vergleich mal so stehen lassen: Einer von den Handwerkern, auf deren Stühlen man sitzen kann, die nicht wackeln oder gar wegbrechen. Aber besonders hübsch oder kunstvoll sind die Stühle nicht. Auch nicht sonderlich originell


    Horst-Dieter

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    Billy Bragg (* 1957)

    Süddeutsche Zeitung Nr. 281 – 4. Dezember 2020, S. 26

  • Lieber Horst-Dieter,


    recht hast du. ABER: Konsalik hat sein Publikum gefunden. Und für damalige Verhältnisse war sein Stil sicher originell und anregend. Die Menschen, die ihn früher gelesen haben, lesen heute überhaupt nicht mehr, die gucken GZSZ...(gewagte These? Mag sein, glaube ich aber dran!)


    Erfolg ist nie kopierbar, muss in seiner Zeit und seinem Kontext gesehen werden.


    Konsalik und Konsorten konnten unterhalten, vielleicht nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wünschte bei vielem, was ich lese, dass es mich zumindest unterhält, wenn es mich auch nicht weiterbringt...


    Oder?
    Beste Grüsse
    Sandra

  • Willlkommen, Sandra. :D


    Heinz G. Konsalik gehört zwar immer noch (auch zehn Jahre nach seinem Tod) zu den kommerziell erfolgreichsten deutschen Schriftstellern, aber viele seiner Abenteuer- und Unterhaltungsromane waren durchaus von Botschaften beseelt. Nicht zuletzt die eigenen Kriegserlebnisse hat er immer wieder eingeflochten, wodurch einige seiner Bücher zu vehementen Anklagen gegen die Sinnlosigkeit des Krieges geworden sind. Das mag zwar stilistisch und dramaturgisch auf anderem Niveau geschehen sein als bei Günter Grass oder ähnlichen Literaten, aber er war eben mitnichten ein reiner Friedefreudeeierkuchenautor. Und auch die trivial anmutende Überzeichnung seiner Figuren und die häufig extrem vorhersehbaren Happy-Endings sollten nicht davon ablenken, dass Konsalik eine ganze Autoren- und, vor allem, Lesergeneration geprägt hat. Die übrigens heute nicht vor GZSZ sitzt, sondern größtenteils im Altenheim. ;)

  • :braue Tse-tse-tse ... Also, diese ehemalige Konsalik-Leserin hier sitzt weder im Altenheim, noch guckt sie GZSZ! Also, bitte, ja :colts


    Zitat

    Original von Sandra Rohde
    Bestimmt sollten wir (ich eingeschlossen) zunächst anstreben, gute Handwerker zu werden oder zu sein.Gut gemachte Trivialliteratur hat immer eine Berechtigung und auch von Konsalik meine ich lernen zu können...


    Dem ersten Teil dieses Satzes stimme ich aus ganzem Herzen zu. - Dass "gutes Handwerk" allerdings nur auf "Trivialliteratur" zutreffen sollte (wie man aus dem Satz lesen kann), verstehe ich nicht. Warum muss man denn "Kunst" und "Handwerk" so strikt trennen? Ich halte Boyle für einen guten Handwerker *und* für einen guten Schriftsteller. Umgekehrt ist nicht jeder gute Handwerker auch ein Künstler. Aber sein Handwerk zu verstehen, schadet meiner Meinung nach nie. (Auch wenn da jetzt der "Kommerz"-Vorwurf aufkommen mag ...)

  • Zitat

    Original von Tom
    … dass Konsalik eine ganze Autoren- und, vor allem, Lesergeneration geprägt hat. …


    Tom


    Ich will dir ja sonst nicht groß widersprechen (auch wenn neben der Kriegserlebnisse noch vieles andere in seine Romane eingeflossen ist und beileibe nicht nur Anklagen) aber das mit der »ganzen Autoren- und Lesergeneration«, das beängstigt mich nun doch. Generation meint ja immer: ALLE. Oder nicht? Und ich erinnere daran, dass bei allem Erfolg, den Konsalik hatte, schon zu seiner besten Zeit immer auch Kritik mitlief und eine nicht unbedeutende Zahl an Konsalik-Verweigerern vorhanden war.


    Horst-Dieter

    BLOG: Welt der Fabeln


    Horst-Dieter Radke: Sagen & Legenden aus Franken

    ASIN/ISBN: 3955403602


    Mit Büchern können Sie meistens nicht viel verdienen. Aber ich komme in Kontakt mit anderen Menschen, und Buchveranstaltungen sind sehr viel besser als Rockfestivals.


    Billy Bragg (* 1957)

    Süddeutsche Zeitung Nr. 281 – 4. Dezember 2020, S. 26

  • Liebe Petra,


    du bist eine Frau nach meinem Geschmack. Kunst oder Handwerk, ist das hier die Frage? Nein, denke eher: Erst kommt das Handwerk, ob daraus dann mal Kunst wird, hängt davon ab, wie gut jemand sein Handwerk versteht. Ist nicht nur beim Schreiben so...


    Eine solide Schreibe, ein gutes Thema und schon ist man im Spiel. Aber ob das auch Kunst ist? Seltsamerweise sind die schwierigen und schönen Dinge immer einfach und was sich aufbläst, verspricht meist mehr, als es hält.


    Meine Gedanken dazu...mehr nicht.


    wünsche allseits einen guten Abend
    Sandra

  • Kunst oder Handwerk?
    Es liegt wahrscheinlich im Auge des Betrachters oder Lesers.
    Was dem einen Handwerk, ist dem anderen Kunst. Wenn ich ein Gedicht lese und es geht mir durch und durch, dann ist das für mich Kunst, jemand anders vielleicht nicht, dem ist es Handwerk. Wenn ich die alten Meister lese, dann ist das für mich z. T. Kunst (Shakespear, Schiller, Goethe u.v.m.) früher war es eventuell Handwerk. Gut viele haben nicht diesen Ruf überlebt, dann wahr es wahrscheinlich Handwerk, aber wer entscheidet denn, ob es Kunst ist oder Handwerk?
    Eine spannende Frage.....

  • Mein Chef sagte - nach vielfach gelungenen und dafür stets gelobten chirurgischen Eingriffen - immer so treffend:
    "Kunst kommt von Können...wenn es von Wollen käme, hieße es Wollst."


    :rolleyes

    [buch]3866855109[/buch]


    "Sinn mag die äußerste menschliche Verführung sein." - Siri Hustvedt

  • Ich denke,
    man kann einen Esstisch herstellen, der vier Beine hat, nicht wackelt und genau den Zweck erfüllt, für den er hergestellt ist. Um zu essen. Das nenne ich gutes Handwerk.
    Und man kann einen Esstisch herstellen, an dem nicht nur der Magen, sondern auch die Augen satt werden. Das nenne ich dann Kunst.
    Daraus ziehe ich den Schluss, es gibt wohl Handwerk ohne Kunst, aber niemals Kunst ohne Handwerk,


    ... meint Manuela, die mehr wollst, als könnst :)